Samstag, 23. März 2019

Busentführung in Italien entfacht Debatte über Einbürgerung

Nach der heldenhaften Tat eines 13-jährigen Schülers ägyptischer Herkunft, der nach der Brandattacke auf einen Schulbus am Mittwoch seine Schulkollegen retten konnte, wird in Italien wieder eine Reform der Einbürgerungsregeln, auf die Italiens Linksparteien seit Jahren drängen, debattiert.

Foto: Ansa
Foto: Ansa

Der Partito Democratico und andere Linksparteien fordern die Einführung des sogenannten „ius soli“, dem Geburtsortsprinzip in Sachen Einbürgerung. Die italienische Staatsbürgerschaft beruht auf dem Grundsatz des „ius sanguinis“ (Blutrecht), wonach nur Kinder eines italienischen Vaters oder einer italienischen Mutter italienische Staatsbürger sind. Daran halten Kräfte der populistischen Regierung in Rom fest.

Innenminister Matteo Salvini will der Bitte des Vaters des ägyptischen Schülers nachkommen, der seit 2001 in Italien lebenden Familie die Staatsanwaltschaft zu gewähren. Der Bub ist 2005 in Italien zur Welt gekommen. Das Innenministerium prüft, ob auch der Familie eines marokkanischen Schulbuben wegen dessen vorbildhaften Verhaltens bei der Busentführung die italienische Staatsbürgerschaft gewährt werden kann, hieß es in Rom.

Linksparteien und PD forderten daraufhin mit Nachdruck, dass sich das Parlament mit der Frage der tausenden in Italien zur Welt gekommenen Migrantenkinder befasse, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr die italienische Staatsbürgerschaft nicht beantragen können und für den Staat als Ausländer gelten, obwohl sie im Land die Schule besuchen. Das Thema ist in Italien seit Jahren umstritten

Dem 13-jährigen Ramy gelang es, das Handy eines Mitschülers vom Boden aufzuheben und die Polizei und seine Eltern anzurufen. Dank der Anweisungen des Schülers konnte die Polizei den entführten Bus lokalisieren und angreifen. Alle 51 Kinder und drei Erwachsene an Bord des Busses konnten gerettet werden. Während das Fahrzeug in Flammen aufging, brachten sie die Kinder ins Freie.

Der italienische Busfahrer senegalesischer Herkunft wollte mit seiner Geste gegen die Einwanderungspolitik der italienischen Regierung protestieren. Ihm will Innenminister Salvini die italienische Staatsbürgerschaft entziehen, die er 2004 nach der Heirat mit einer Italienerin erhalten hatte.

apa

stol