Donnerstag, 10. November 2016

Cannabis Social Club trifft Landesrätin Stocker

Donald Trumps Wahlsieg hat am Mittwoch die politische Berichterstattung dominiert. Da überrascht es nicht, dass eine weitere US-amerikanische Wahlentscheidung „etwas“ untergegangen ist. In Kalifornien, Nevada und Massachussets wurde Marihuana legalisiert, in Florida, Arkansas und North Dakota der Konsum von Cannabis zu medizinischen Zwecken erlaubt. Letzteres war am Donnerstag auch Thema beim Treffen zwischen dem Südtiroler Cannabis Social Club und Gesundheitslandesrätin Martha Stocker.

Am Donnerstag sprach der Cannabis Social Club Bozen mit Landesrätin Martha Stocker über die medizinische Verwendung von Cannabis.
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Am Donnerstag sprach der Cannabis Social Club Bozen mit Landesrätin Martha Stocker über die medizinische Verwendung von Cannabis. - Foto: © shutterstock

„Das einzige Ziel des Cannabis Social Club ist die Förderung von medizinischem Cannabis. Das ist notwendig, denn durch das falsche Bild, das man von Cannabis hat, ist die medizinische Anwendung gehemmt und diskriminiert“, sagt der Präsident des Bozner Vereinsablegers, Peter Grünfelder, im Gespräch zu STOL.

Grünfelder: „Seit dem 18. Jahrhundert wird mit Cannabis behandelt“

Die medizinische Verwendung von Cannabis ist in Italien bereits längst erlaubt und gesetzlich geregelt. Es gebe viele Krankheitsbilder, bei denen man den Wirkstoff anwenden könne, unterstreicht Präsident Grünfelder.

"Etwa bei pathologischen oder chronischen Schmerzen, bei Entzündungen, der Behandlung von Asthma oder Muskelkrämpfen", listet Grünfelder eine Reihe an Krankheiten auf und betont, dass die positiven Auswirkungen von Cannabis wissenschaftlich einwandfrei erwiesen seien.

Studie hin oder her, „bereits im 18. Jahrhundert behandelte man Krankheiten mit Cannabis, heute besteht aber eine gewisse Scheu vor dem Produkt“, erklärt Grünfelder.

Apotheker müssen Rohstoff verarbeiten

Die Möglichkeiten der Einnahme sind dabei genauso verschieden wie die Anwendungsmöglichkeiten. Allerdings, so Grünfelder zu STOL, hängt von der Verabreichungsweise - zum Beispiel Tabletten, Zäpfchen oder Rauchen - der Wirkungsgrad des Produkts ab.

Aktuell gebe es auf dem italienischen Markt allerdings nur ein apothekenfertiges Produkt, einen Spray, der von Pharmazeuten verkauft werde. Dazu kommt eine Reihe an galenischen Produkten, Mittel, bei denen der Apotheker zwar den Wirkstoff erhält - in diesem Fall die Cannabisblüten -, die er allerdings erst weiterverarbeiten muss.

Kosten werden nicht rückerstattet

Und hier liegt der Hund begraben. Denn, so der Bozner Cannabis Social-Präsident, Patienten erhalten für diese Produkte, die auch hierzulande in manchen Apotheken zu finden seien, keine Kostenrückerstattung.

„Dabei wäre das eine reine Formsache, die die Verwaltung umzusetzen hat“, fasst Grünfelder die Problematik zusammen. Und hat sich deswegen - gemeinsam mit dem Mediziner Roberto Pittin und den Patienten Stefano Balbo, Bruno Telser und Deborah Zanolli - am Donnerstag mit Gesundheitslandesrätin Martha Stocker getroffen. Dabei wurde der Landesrätin ein Schreiben mit Anliegen von Südtiroler Cannabispatienten, von denen es an die 200 geben soll, überreicht.

Die Cannabis Social Club-Delegation Bozen. - Foto. Cannabis Social Club - Bolzano

Stocker: „Werde mich beraten lassen“

Unmittelbar nach dem Treffen gibt sich Gesundheitslandesrätin etwas bedeckt. Sie habe, so Martha Stocker zu STOL, die Ausführungen der Cannabis Social Club-Delegation mit Interesse zur Kenntnis genommen. „Ich kann dem Gesagten das ein oder andere abgewinnen. Mir ist aber wichtig, weitere Meinungen zu dem Thema einzuholen, weswegen ich Fachleute aus dem Gesundheitsbereich dahingehend konsultieren werde“ sagt Martha Stocker. Und weist darauf hin, dass es in den einzelnen italienischen Regionen diesbezüglich unterschiedliche Regelungen und Handhabe gebe.

Bis eine Entscheidung in dieser Sache in Südtirol fällt, werden sich Peter Grünfelder und der Cannabis Social Club wohl also noch etwas gedulden müssen.

stol/aw

stol