Montag, 08. März 2021

„Chancengleichheit bringt gesellschaftlichen Mehrwert“

Am 8. März findet in diesem Jahr zum 100. Mal der Internationale Frauentag statt. Mehrere Vertreter des öffentlichen Lebens in Südtirol haben sich zu diesem Anlass zu Wort gemeldet und dabei unterstrichen, welchen wichtigen Stellenwert Frauen in unserem Leben einnehmen.

Am 8. März wird der Internationale Tag der Frau gefeiert.
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Am 8. März wird der Internationale Tag der Frau gefeiert. - Foto: © Shutterstock / shutterstock
Die Vereinten Nationen stellen den diesjährigen Tag unter das Motto „Frauen in Führungspositionen: Für eine ebenbürtige Zukunft in einer Covid-19-Welt“. Damit soll darauf hingewiesen werden, dass vor allem aufgrund der Pandemie die Arbeitslast und Mehrfachbelastung besonders für Frauen deutlich gestiegen ist.

Die Pandemie habe von zahlreichen Frauen weltweit und auch in Südtirol viele Opfer abverlangt: „In den vergangenen Monaten haben die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern im Verlauf der Pandemie zugenommen. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, wie wichtig es ist, aktiv an der Chancengleichheit weiterzuarbeiten“, führt der für Chancengleichheit zuständige Landesrat, Landeshauptmann Arno Kompatscher aus.

Die Welt mit Corona, aber vor allem jene Welt, die es nach der Überwindung dieser Pandemie gebe, müsse das Potenzial einer jeden Bürgerin und jedes Bürgers erkennen und unabhängig vom Geschlecht ausschöpfen, ist Kompatscher überzeugt.

Südtiroler Frauenorganisationen: „Mehr Sichtbarkeit planen“

Gemeinsam starten auch mehrere Südtiroler Frauenorganisationen, angeführt vom Landesbeirat für Chancengleichheit, einen Aufruf für mehr Sichtbarkeit von Frauen in allen Lebensbereichen. Unter anderem durch die Erarbeitung eines Gleichstellungsaktionsplanes solle Südtirol künftig über ein Planungsinstrument verfügen, das durch konkrete Maßnahmen und gezielte Aktionen weiter in Richtung Chancengleichheit führt.

Für Landeshauptmann Kompatscher handelt es sich hierbei um eine gesellschaftliche Pflicht: „Die Ungleichbehandlung von Frauen lässt sich rationell nicht erklären: Frauen stellen ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten tagtäglich in den unterschiedlichsten Bereichen unter Beweis. Dennoch gelingt es nur wenigen, die gläserne Decke zu durchbrechen. Es braucht ein gesellschaftliches Umdenken, um das vorhandene Potential zugunsten der Gesellschaft besser als bisher zu nutzen.“ Darum unterstütze er den Appell der Frauenorganisationen und sicherte den geforderten Maßnahmen seine Unterstützung zu.

Die Frauen tragen aktuell die größte Last

Auch SVP-Landesfrauenreferentin Renate Gebhard macht darauf aufmerksam, dass die aktuelle Coronakrise als Chance für die Frauen genutzt werden muss.

„In diesen Monaten tragen die Frauen die größte Last: in den Familien und in den sogenannten systemrelevanten Berufen“, so Gebhard. „Die wichtigen Entscheidungen treffen jedoch nach wie vor zu einem größten Teil die Männer“, kreidet die Landesfrauenreferentin an. „Gerade weil wir Frauen das Land sprichwörtlich durch die Krise tragen, haben wir jeglichen Anspruch, mit am Tisch zu sitzen“, fordert Gebhard.

„Es ist schon klar, dass ein solcher gesellschaftlicher Wandel nicht von einem Tag auf den anderen vollzogen werden kann“, nimmt Renate Gebhard zur Kenntnis. „Dennoch, fangen wir jetzt damit an, konkrete Schritte zu setzen!“, fordert die SVP-Landesfrauenreferentin.

Unterberger: Gerechte Verteilung der unbezahlten Arbeit gefordert

SVP-Senatorin Julia Unterberger betont unter anderem, dass die Corona-Pandemie die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der unbezahlten Arbeit gelenkt habe, die vorwiegend auf den Schultern der Frauen laste.

„Es muss endlich eine gerechte Verteilung der unbezahlten Arbeit zwischen Männern und Frauen hergestellt werden. Diesbezüglich braucht es keine neuen Erfindungen, es muss lediglich von jenen Ländern abgeschaut werden, die eine hohe Frauenerwerbsquote erreicht haben. Eine wirksame Maßnahme ist beispielsweise, den Eltern mehrere Monate Zusatzurlaub zuzuerkennen, wenn Väter mindestens die Hälfte der dem Paar zustehenden Elternzeit in Anspruch nehmen. Dies natürlich mit einer hohen Lohnfortzahlung“, so Unterberger.

Der EU-Wiederaufbaufonds sei der SVP-Senatorin zufolge eine Gelegenheit, um die Hindernisse beseitigen zu können und um neben der formalen Gleichberechtigung endlich auch die substantielle Gleichstellung von Mann und Frau zu erreichen.

Mehr Frauen in die Politik bringen

Als weibliche Mitglieder der Südtiroler Landesregierung sehen sich Maria Hochgruber Kuenzer und Waltraud Deeg in der Pflicht, dazu beizutragen, mehr Frauen in die Politik einzubringen und immer wieder und beharrlich daran zu erinnern. Nur so könne es gelingen, Ungleichheiten abzubauen und Chancengerechtigkeit umzusetzen.

„Nur wenn man mit am Entscheidungstisch sitzt kann man Entscheidungen mitgestalten und Änderungen in die Wege leiten. Wir tragen eine gemeinsame Verantwortung künftig mehr Kolleginnen, Ministerinnen, Direktorinnen, Koordinatorinnen, Mitarbeiterinnen zu gewinnen, um mit ihnen gemeinsam unsere Gesellschaft in Richtung reeller Chancengerechtigkeit zu führen. Frauen, zeigt euch und traut euch!“, appellieren die beiden Landesrätinnen.

Unverzichtbare Voraussetzung

Die Bekämpfung von Ungleichheiten ist eine unverzichtbare Voraussetzung für ein nachhaltiges Wachstum. Deshalb sei es wichtig, auf die Gleichstellung der Geschlechter, auf einen außerordentlichen Beschäftigungsplan für Frauen, auf die Achtung von Unterschieden und auf die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Gesellschaft zu setzen, schreiben die Frauengruppen von CGIL-AGB, SGB-CISL und UIL-SGK.

Die Grünen widmen sich in diesem Jahr am 8. März der Schwesterlichkeit (sisterhood) und starten in den sozialen Medien eine Minikampagne. Die Süd-Tiroler Freiheit hingegen hat angekündigt, in den kommenden Tagen im Landtag einen Antrag zur Abstimmung zu bringen, durch welchen besonders Familien und Frauen unterstützt werden sollen.


stol

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