Die Entscheidung des Nobel-Komitees, den Preis an den inhaftierten chinesischen Dissidenten zu vergeben, habe keinerlei Einfluss auf das politische System und das Gremium zeige zudem „keinen Respekt für Chinas Justiz“, sagte ein Regierungssprecher am Dienstag. Unterdessen wurde bekannt, dass nach dem Willen des Nobelpreisträgers seine Frau Liu Xia zur Preisverleihung am 10. Dezember nach Oslo reisen soll.„Riesiger Fehler“ Wer versuche, das chinesische System zu ändern, begehe einen „riesigen Fehler“, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums vor Journalisten in Peking. Viele Politiker nutzten die Entscheidung des Komitees, dem inhaftierten Oppositionellen den Friedensnobelpreis zuzuerkennen, „um China anzugreifen“, fügte Ma Zhaoxu hinzu. Indem die Regierung in Norwegen, wo das Nobel-Komitee tagt, diese „falsche Entscheidung“ unterstützte, habe sie sich dafür entschieden, „die bilateralen Beziehungen zu ruinieren“.Liu Xiaobo hofft unterdessen, dass seine Frau den Preis an seiner Stelle entgegennehmen kann. „Xiaobo hat mir gesagt, dass er hofft, dass ich nach Norwegen fahren und den Preis für ihn empfangen kann“, sagte Liu Xia der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag am Telefon.„…sie muss einen Polizeiwagen nehmen“ Auf die Frage, ob die Regierung in Peking sie reisen lassen würde, sagte sie: „Ich glaube, es wird sehr schwierig.“ Die Behörden hätten ihr bisher die Reise jedoch nicht ausdrücklich verboten.Liu Xia stehe allerdings weiter praktisch unter Hausarrest in ihrer Pekinger Wohnung, sagte der Anwalt ihres Mannes, Shang Baojun, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Es gebe auch Probleme für die Anwaltskanzlei, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Ihre Bewegungsfreiheit sei stark eingeschränkt. „Wenn sie das Haus verlassen will, muss sie einen Polizeiwagen nehmen“, sagte Shang. Außer bei Familienmitgliedern werde jedes Treffen mit ihr von der Polizei überwacht.Am Wochenende hatte Liu Xia ihren Mann im Gefängnis gesehen. Diplomaten westlicher Staaten wurden am Montag daran gehindert, die Frau des Dissidenten in ihrer Wohnung zu besuchen. Die US-Botschaft in Peking forderte die chinesische Regierung am Dienstag auf, jegliche Restriktionen gegen Liu Xia aufzuheben. Ihre Rechte müssten respektiert und ihre Bewegungsfreiheit gewährleistet werden.Am Dienstag sagte Peking in Reaktion auf den Friedensnobelpreis ein weiteres Treffen mit der norwegischen Fischereiministerin Lisbeth Berg-Hansen mit Vertretern der chinesischen Lebensmittelkontrollbehörde ab. Der Termin war für Mittwoch vorgesehen. Zuvor hatte die chinesische Regierung bereits ein ebenfalls für Mittwoch geplantes Treffen von Berg-Hansen mit dem stellvertretenden chinesischen Fischereiminister annulliert. Berg-Hansen besucht derzeit in Shanghai die Weltausstellung.„Wir werben für Menschenrechte“ Der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sagte bei seinem China-Besuch, er habe in Gesprächen mit Regierungsvertretern deutlich gemacht, „dass die Bundesregierung die Verleihung des Nobelpreises an Liu Xiaobo begrüßt“. Die chinesische Seite habe klargemacht, dass sie diese Haltung nicht teile, sagte er in Peking. Er selbst sei „in der Sache dafür, dass wir für Menschenrechte (...) werben“. Es reiche aber nicht, das Thema „nur plakativ durch die Gegend“ zu tragen.Der 54-Jährige Liu sitzt wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ im Gefängnis. Seine Ehefrau und seine Anwälte erwägen nun einen Antrag auf ein Wiederaufnahmeverfahren. Die „Bewegung der Tiananmen-Mütter“, Angehörige der Opfer des Massakers vom 4. Juni 1989, forderten die chinesischen Behörden in einem offenen Brief zur Freilassung des Dissidenten auf.