Mittwoch, 07. Oktober 2020

Coronavirus greift in der US-Regierung weiter um sich

Nach der Corona-Diagnose von Donald Trump greift das Virus in der US-Regierung um sich. Ein weiterer enger Berater des Präsidenten, Stephen Miller, wurde am Dienstag positiv getestet.

Nun ist auch Präsidenten-Berater Stephen Miller Corona-positiv.
Nun ist auch Präsidenten-Berater Stephen Miller Corona-positiv. - Foto: © APA (AFP) / NICHOLAS KAMM
„Es ist offensichtlich, dass es einen Ausbruch im Weißen Haus gab“, räumte Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany ein. Ranghohe Generäle, darunter Generalstabschef Mark Milley, arbeiten laut Medien von zuhause aus, weil sie bei einer Besprechung dem Coronavirus ausgesetzt gewesen sein könnten.

Der an Covid-19 erkrankte Präsident hat nach eigenen Angaben keine Symptome mehr, zugleich hält sich das Weiße Haus aber mit Details über seinen Gesundheitszustand zurück. „Insgesamt geht es ihm weiterhin extrem gut“, teilte Trumps Leibarzt Sean Conley mit. Der Präsident habe keine Symptome gemeldet, seine Werte seien stabil und die Sauerstoffsättigung seines Bluts liege bei 95 bis 97 Prozent.

Trump wurde vergangene Woche Sauerstoff zugeführt, nachdem dieser Wert gefallen war - was meist von Lungenproblemen zeugt. Der Präsident wurde bei seinem dreitägigen Klinik-Aufenthalt mit einem experimentellen Antikörper-Mittel und Steroiden behandelt.

Trump: „Leute, ignoriert die Umfragen“

Trump liegt einen Monat vor der US-Präsidentenwahl laut Umfragen deutlich hinter Herausforderer Joe Biden zurück. In einer neuen Erhebung des Nachrichtensenders CNN führt Biden mit 57 zu 41 Prozent. Der Kandidat der Demokraten warnte seine Anhänger daraufhin vor Übermut.

„Leute, ignoriert die Umfragen“, schrieb er im Internet. „Es steht zu viel auf dem Spiel für Selbstzufriedenheit.“ Vor vier Jahren war Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton in Umfragen vorn gesehen worden und verlor trotzdem.

Diesmal lastet auf Trump allerdings unter anderem seine Bilanz in der Corona-Krise mit bisher rund 211.000 verstorbenen Amerikanern. Er fiel auch nach seinem rabiaten Auftreten in der ersten TV-Debatte gegen Biden in den Umfragen zurück und landete zudem im Krankenhaus, nachdem er die Gefahr durch das Coronavirus heruntergespielt hatte.

Diesen Kurs führte Trump auch diese Woche fort. Nach der besonderen Behandlung rief er seine Landsleute unter anderem auf, sie sollten „keine Angst vor Covid“ haben und verkündete, er fühle sich besser als vor 20 Jahren.

Biden setzte unterdessen seinen Wahlkampf fort und appellierte an die Amerikaner, politische Spaltungen zu überwinden. Als symbolträchtige Kulisse für die Ansprache wählte er Gettysburg im Bundesstaat Pennsylvania - den Ort einer der blutigsten Schlacht des amerikanischen Bürgerkrieges.

Nach dem Auftritt stellte Biden seine 2. TV-Debatte mit Trump angesichts dessen Erkrankung in Frage: „Ich denke, wenn er immer noch Covid hat, sollten wir keine Debatte haben.“ Man werde auf jeden Fall „sehr strikten Richtlinien“ folgen müssen. „Zu viele Leute wurden infiziert.“ STOL hatte berichtet.

Auch Debatte des Vizepräsidenten in Gefahr

Die Erkrankung des Trump-Beraters Miller könnte unterdessen auch Fragen für die anstehende Debatte des Vizepräsidenten Mike Pence mit Bidens Vize-Kandidatin Kamala Harris aufwerfen. Millers Ehefrau Katie ist Sprecherin von Pence und flog mit dem Vizepräsidenten nach Salt Lake City, wo die Debatte am Mittwochabend (Ortszeit - ab 3.00 am Donnerstag MESZ) stattfinden soll. Laut Medienberichten war ihr Test am Dienstag negativ, sie habe Salt Lake City aber trotzdem verlassen.

Der Leibarzt von Pence betonte unterdessen, dass die Tests des Vizepräsidenten nach wie vor negativ ausfielen und er keine Quarantäne benötige.

apa/stol