Dienstag, 17. März 2020

Coronavirus: Israel setzt Überwachungstechnologie ein

Israel will im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus Überwachungstechnologie einsetzen, die sonst zur Terrorbekämpfung dient. Das teilte der Inlandsgeheimdienst Shin Bet am Dienstag mit. Nach Medienberichten handelt es sich vor allem um Handyüberwachung von Erkrankten.

Der Geheimdienst überwacht die Handys von Erkrankten.
Der Geheimdienst überwacht die Handys von Erkrankten. - Foto: © APA (AFP) / JACK GUEZ
„Die israelische Regierung hat Shin Bet autorisiert, seine hohen technologischen Fähigkeiten in den Dienst der nationalen Bemühungen um eine Eindämmung des Coronavirus zu stellen“, teilte der Geheimdienst mit. Das Virus stelle eine ernste Bedrohung der Bevölkerung, der Wirtschaft und der nationalen Sicherheit Israels dar.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist das Virus Sars-CoV-2 mittlerweile bei mehr als 300 Personen in Israel nachgewiesen worden. Todesfälle wurden bisher nicht erfasst.

Nach Medienberichten geht es unter anderem darum, die Mobiltelefone von Kranken zu überwachen, um zu sehen, mit wem sie vor der Diagnose in Kontakt waren. Außerdem solle überprüft werden, ob Infizierte gegen Heimquarantäne verstoßen. Shin Bet sei autorisiert, rund um die Uhr den Aufenthaltsort jedes Handynutzers in Israel zu orten.

Die israelische Nachrichtenseite ynet berichtete: „Die Technologie ermöglicht es Shin Bet, alle Personen zu identifizieren, die sich auf der Bewegungsroute eines Kranken in seinem Ansteckungsradius befunden haben.“ Sie könnten dann direkt über ihre Handys informiert und dazu aufgerufen werden, sich in Heimquarantäne zu begeben oder testen zu lassen.

Der Chef von Schin Bet, Nadav Argaman, sagte am Dienstag, seine Organisation solle eingesetzt werden, „weil klar wurde, dass andere Einrichtungen nicht die notwendigen technologischen Fähigkeiten haben“. Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit habe den Einsatz von Shin Bet mit dem Ziel gebilligt, Leben zu retten.

„Schin Bet ist sich im Klaren darüber, dass es sich hier um Aktivitäten handelt, die vom regulären Einsatz im Kampf gegen Terror abweichen“, sagte Argaman. Daher seien Kontrollmechanismen eingerichtet worden. Nur eine sehr kleine Gruppe von Agenten solle sich mit der Aufgabe beschäftigen und die Informationen sollten nicht dauerhaft in der Datenbank von Schin Bet aufbewahrt werden.

apa