Sonntag, 28. Juli 2019

Cyberangriffe auf Investigativ-Journalisten im Fall Skripal

Das Recherchenetzwerk Bellingcat, das sich unter anderem im Fall des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal einen Namen gemacht hat, ist Ziel eines Cyberangriffs geworden. Die Phishing-Attacke sollte Journalisten des Netzwerks dazu bringen, die Passwörter ihrer verschlüsselten E-Mail-Konten weiterzugeben, wie der E-Mail-Anbieter ProtonMail und Bellingcat am Samstag mitteilten.

Das Recherchenetzwerk Bellingcat wurde Ziel eines Cyberangriffs Foto: APA (dpa)
Das Recherchenetzwerk Bellingcat wurde Ziel eines Cyberangriffs Foto: APA (dpa)

Der im schweizerischen Genf angesiedelte Provider teilte mit, „ein Angriff russischen Ursprungs” sei naheliegend. ProtonMail-Chef Andy Yen sagte, der Angriff sei „einer der besten Phishing-Attacken, die wir je gesehen haben”. Bellingcat-Journalist Christo Grozev, der die Recherchen im Fall Skripal koordinierte, sagte, es gebe keinen Zweifel daran, dass der russische Militärgeheimdienst GRU verantwortlich sei. Die versuchte Ausspähung sei „sehr überzeugend” gewesen, aber kein Reporter habe sein Passwort preisgegeben.

Vorher gewarnt worden

Die Phishing-Angriffe auf Bellingcat ereigneten sich demnach in der vergangenen Woche. Die Journalisten bekamen gefälschte E-Mails mit ProtonMail als angeblichem Absender und wurden aufgefordert, ihre Login-Daten einzugeben, wie das Unternehmen mitteilte.

Grozev sagte, dass er trotz seines technischen Wissens und seiner Vorsicht fast auf den Angriff reingefallen wäre, wenn er im Vorhinein nicht von einem Kontakt gewarnt worden wäre. Dieser hatte demnach Anfang des Monats eine ähnliche E-Mail erhalten. Dem Journalisten zufolge erhielten seit April mehrere Rechercheure und Forscher anderer Organisationen, die mit Russland zu tun haben, solche Phishing-Mails auf ihr ProtonMail-Konto.

Zuständige Behörden informiert

Der Chef des Providers, Yen, alarmierte nach eigenen Angaben die Schweizer Bundespolizei sowie die Behörde für Computersicherheit Melani und informierte diese über die Vorfälle der vergangenen Woche. Ob Ermittlungen aufgenommen werden sollten, war dem Unternehmen zunächst nicht bekannt.

stol