Ein Kommentar von Bernd Posselt.<BR /><BR />In diesen Tagen wird besonders viel vom Frieden geredet, was kein Wunder ist: Russland ist wieder imperialistisch wie zur Zeit des Zaren und der Sowjetunion. Der Kreml führt einen Vernichtungskrieg gegen das größte europäische Land, nämlich die Ukraine, und das freie Europa insgesamt. Am Balkan drohen alte Konflikte wieder aufzubrechen, und auf den Nachbarkontinenten Asien und Afrika toben gewalttätige Auseinandersetzungen.<BR /><BR />Zugleich versuchen Washington und Moskau die Welt unter sich in Einfluss-Sphären aufzuteilen, und die Europäische Union muss massiv aufrüsten, um Sicherheit und Stabilität zu bewahren. <BR /><BR />Was bedeutet vor diesem Hintergrund Frieden? Dieser ist jedenfalls mehr als die Abwesenheit von Krieg. Henry Kissinger (1923–2023), US-Politologe, -Sicherheitsberater und -Außenminister, Republikaner) definierte Frieden als einen Zustand, an dessen Aufrechterhaltung jede Seite gleichermaßen interessiert ist.<BR /><BR />Ein Diktatfriede, wie ihn US-Präsident Donald Trump (78, Republikaner) für den Gaza-Streifen – wo er die Bevölkerung in die Nachbarstaaten vertreiben und angeblich eine neue Riviera bauen will – oder für die Ukraine anstrebt, trägt stets schon den Keim der nächsten militärischen Auseinandersetzung in sich. Frieden braucht Recht und Freiheit. <BR /><BR />Im Ersten Weltkrieg zogen die USA aus, „to make the world safe for democracy“ – also mit dem Ziel, überall und vor allem in Europa die Freiheit zu sichern. Die Pariser Vorortverträge von 1919 weckten im Gegenteil tiefe Unzufriedenheit und neue Kriegsgefahr, indem sie den alten Wunden Europas weitere hinzufügten; und Amerika zog sich isolationistisch von unserem Kontinent zurück. <BR /><BR />1945 in Jalta überließ US-Präsident Franklin D. Roosevelt (1882–1945, Demokrat) den Sowjets Mittel- und Osteuropa und schuf so einen Spannungszustand, der erst 1989 endete. <BR /><BR />Wenn man heute nach Moskau und Peking, aber auch nach Washington blickt, sieht man: Eine auf Recht und Freiheit gegründete neue Weltordnung, wie sie US-Präsident George Bush senior (1924–2018, Republikaner) 1989 versprach, ist noch in weiter Ferne.