Handeln ist angesagt. <BR /><BR />In Peking sitzen nämlich rund 3000 Abgeordnete, freilich nicht die Musterschüler des Parlamentarismus. Der Kongress der USA wiederum umfasst 582 Köpfe und liegt damit abgeschlagen hinter dem Deutschen Bundestag. <BR /><BR />Berücksichtigt man nun die Größe der jeweiligen Bevölkerung, so bietet das deutsche Parlament ein Bild etwa zwischen peinlich und lächerlich. Dies ist nach vielen Jahren auch den Abgeordneten aufgefallen, schließlich platzt der Plenarsaal längst aus allen Nähten. Was tun also, um Abhilfe zu schaffen? Wer aber dies ernsthaft will, muss sich vor Augen führen, wie es soweit hat kommen können.<BR /><BR />In Deutschland gilt ein gemischtes Wahlrecht, und deshalb hat jeder Wahlberechtigte bei der Wahl 2 Stimmen. Die erste gilt dem Direktkandidaten, die zweite der Partei. Wie viele Abgeordnete eine Partei ins Parlament entsendet, hängt von der Zweitstimme ab. Insoweit wäre noch alles in Ordnung. Aber wir sind noch nicht fertig.<h3>Überhangmandate</h3>Hat nämlich eine Partei mehr direkt gewählte Abgeordnete, als ihr nach den Zweitstimmen zustünden, so bekommt sie sogenannte Überhang-Mandate, also zusätzliche Sitze. Das Geschäftsmodell „Wachstum des Bundestages“ zeigt seine Konturen. Und es geht weiter. Damit nämlich angesichts der Überhang-Mandate einer Partei die Konkurrenz nicht traurig wird, bekommt diese die entsprechende Zahl an Ausgleichsmandaten. Es wird also gleich zweimal nachgelegt, und nach jeder Bundestagswahl müssen die Möbelschreiner des Hohen Hauses im Plenarsaal einen Platz suchen, wo man die Sitzgelegenheiten ergänzen könnte. Wahrscheinlich hat die Enge zur Einsicht geführt, dass sich etwas ändern muss.<BR /><BR />Tatsächlich liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, doch der sieht aus, als wäre er nicht ernst gemeint. Statt der bisher 2 Stimmen für jeden Wähler soll es künftig 3 geben. Man mag sich gar nicht anschauen, wie der Entwurf weitergeht. Er folgt der alten Regel, dass ein tüchtiger Bürokrat für jeden Paragrafen, den jemand streicht, 5 neue einführt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-54488814_quote" /><BR /><BR />Doch das ist nicht einmal das größte Problem. Der Vorsatz, das Parlament zu verkleinern, muss in ebendiesem Parlament abgesegnet werden. Das heißt, über 200 Parlamentarier wären aufgerufen, ihr eigenes Mandat abzuschaffen. Man darf neugierig sein. Erfahrungsgemäß hängt jeder Abgeordnete in inniger Treue an seinem Parlamentssitz, den er ja schließlich hauptberuflich einnimmt. Verliert er ihn, muss er sich draußen in der Welt einen richtigen Beruf suchen, und das käme für viele sehr hart an.