Österreich sei eine „Insel der Seligen“, sagte sein legendärer Bundeskanzler der 1970er- und 80er-Jahre, Bruno Kreisky, einmal und meinte damit auch die Situation des Landes im internationalen Terrorumfeld. <BR /><BR />Ein palästinensischer Anschlag auf den ElAl-Sc<h3> </h3> halter des Flughafens Wien-Schwechat, einer auf die jüdische Synagoge in Wien, ein ermordeter Stadtrat und Geiselnahmen russischer Juden und im OPEC-Gebäude an der Donau waren dramatisch – aber im Vergleich zu dem, was sonst rundum in Europa passierte, noch wenig.<h3> Österreich vom „Islamischen Staat“ bis 2021 verschont</h3>Auch vom späteren Terror des sogenannten „Islamischen Staates“ und seiner zahlreichen verirrten Epigonen blieb Österreich verschont – bis zum 2. November 2021. Vor bald 2 Jahren machte sich der einschlägig vorbestrafte Islamist Kujtim F. mit einem Sturmgewehr auf den Weg in die Wiener Innenstadt. <BR /><BR />Am milden Spätherbstabend vor dem nächsten beschlossenen Lockdown feierten besonders viele junge Menschen in den Lokalen des sogenannten „Bermudadreiecks“ – und sie waren das Ziel des 20-Jährigen. Er feuerte wahllos auf Menschen in Lokalen und auf den Straßen, kehrte sogar noch um, als ein Opfer bereits am Boden lag und sich noch rührte, tötete gnadenlos. 4 Menschen starben, mehr als 20 weitere wurden schwer verletzt, ehe der Attentäter selbst von Beamten der Spezialeinheit WEGA erschossen wurde.<BR /><BR /><embed id="dtext86-56565848_quote" /><BR /><BR />Am Dienstag begann in Wien der Monsterprozess gegen 6 mutmaßliche Helfer des Attentäters, der die Stadt wochenlang in ein Trauma stürzte. Einer der nun angeklagten Männer soll mit Kujtim F. damals in die Slowakei gefahren sein. 2 weitere sollen am Tag des Terrors mit dem Attentäter in dessen Wohnung gewesen sein, einer von ihnen soll ihm gefälschte Dokumente besorgt haben. Die anderen 3 sollen bei der Planung und Waffenbeschaffung aktiv gewesen sein.<h3> Anklageschrift umfasst 117 Seiten</h3>Die Beschuldigten im Alter von 22 bis 32 Jahren, alle mit mutmaßlich islamistischem Hintergrund, sitzen in Untersuchungshaft. 117 Seiten umfasst die Anklageschrift, die nun im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichts unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen verhandelt wird.<BR /><BR />Das Attentat, bei dem am Abend selbst von aufgeheizten Medien von einem noch viel größeren Anschlag an mehreren Schauplätzen der Stadt ausgegangen worden war, führte damals auch zu einem Großaufräumen bei der Staatssicherheit. Denn schnell wurde nach dem Anschlag klar, dass im Vorfeld verheerende Versäumnisse passiert waren. Der Attentäter, der wegen Ausreiseplänen nach Syrien zum IS schon in Haft gesessen war, vorzeitig entlassen worden war und in einem Wiener Sozialbau lebte, galt als Gefährder und war zum Beispiel beim Versuch, in der Slowakei eine Waffe zu kaufen, observiert worden – ohne dass das weiter Folgen für eine etwaige Überwachung in Wien gehabt hätte. Der damals zuständige Verfassungsschutz BVT wurde in der Folge aufgelöst, der Staatsschutz neu strukturiert.<BR /><BR />Die Angehörigen von 2 Opfern des Anschlags haben die Republik Österreich geklagt, weil aus ihrer Sicht das Attentat verhindert werden hätte können. In einem Fall wurde die Klage mangels rechtlicher Grundlage bereits abgewiesen, im zweiten Fall ist die Entscheidung noch offen. An den Plätzen, an denen die 4 ersten und bisher letzten Opfer des IS-Terrors in Österreich ihr Leben ließen, werden heute noch Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt.