<b>Ein Kommentar von Andreas Schwarz</b><BR /><BR />In Österreich läuft es für die Sozialdemokraten nicht so besonders gut. Die Aufbruchsstimmung, die Andreas Babler bei seiner Stolperwahl zu verbreiten versucht hat, ist nicht wirklich bei den Menschen angekommen – weder in seiner eigenen Partei und schon gar nicht bei den Österreichern. <BR /><BR />Also gut, der Vergleich hinkt auch ein bisschen: Tuchel war ein Erfolgstrainer, den ein Führungsduo bei den Bayern nach dem Motto „Wir kaufen immer die Besten“ unbedingt haben wollte. Andreas Babler war (und ist) Bürgermeister einer Kleinstadt südlich von Wien, der im parteiinternen Machtkampf zwischen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und dem permanenten Störenfried in der SPÖ, Burgenlands Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil, als lachender Dritter aus dem Hut sprang. Und zwar bei einer Parteitagswahl, bei der nach desolatem Auszählungsreigen zuerst der Burgenländer vorne lag. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004453_image" /></div> <BR /><BR />Babler hatte die Delegierten mit einer aufrüttelnden Rede und trotz seiner linkslinken Vergangenheit als Marx-Jünger antikapitalistischer Staatsmonopolist gepackt. Das Aufrüttelnde ist seither verloren gegangen. Und die linkslinken Positionen, von der 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich über Erbschafts- und Vermögenssteuer bis zur 2-prozentigen Teuerungsgrenze für Wohnen und Lebensmittel in der Verfassung (!), fallen dem Traiskirchner Gesinnungsgenossen zunehmend auch in den eigenen Reihen auf den Kopf. <BR /><BR />Die Querschüsse jedenfalls häufen sich. Vergangene Woche hatte der stets streitbare Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer entgegen Bablers Parteilinie über eine Asyl-Obergrenze räsoniert („Mit mir kann man sogar diskutieren, ob die Asylobergrenze für die kommenden Jahre nicht null sein sollte in Österreich“), was der Parteichef mit „politisch schwachsinnig“ quittierte. Dornauer nahm seine Aussage ein bisschen zurück (seine Meinung sei die Null-Grenze eh nicht, er sei nämlich Realist), und Babler versuchte das Bild politischer Einigkeit wiederherzustellen. Aber eine Asylobergrenze hatte ihm Monate zuvor schon der im Kampf um den Parteivorsitz unterlegene Hans Peter Doskozil als Forderung hingeworfen.<h3> „Den Bogen überspannt“</h3>Ein weiterer Querschuss kam vom sozialdemokratischen Gewerkschafter Josef Muchitsch, einem Babler-Anhänger (nur) der ersten Stunden: Der „Andi“ dürfe „nicht als Schreckgespenst der Wirtschaft dastehen“, sagte Muchitsch Mitte Februar, Vermögenssteuer sei mit anderen Parteien nicht machbar, die 32-Stunden-Woche habe „den Bogen überspannt“. Auch mit dem Gewerkschafter feierte der SPÖ-Chef später „Versöhnung“, die SPÖ lasse sich nicht „auseinanderdividieren“. <BR /><BR />Aber die Querschüsse sind Fakt. Dass der mächtige Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig den Parteivorstand verließ und nicht mehr als Babler-Freund gilt, ist ebenfalls Fakt. Dass maßgebliche SPÖ-Landeschefs für eine Koalition mit der ÖVP nach den nächsten Wahlen sind, die von Babler nach wie vor als erklärter Feind Nr. 2 (nach der rechtspopulistischen FPÖ) geführt wird, ist evident. Und in breiten Kreisen der Partei herrscht die Meinung, dass mit dem betonten Links-Kurs Bablers in einem Land, in dem es traditionell eine bürgerliche Mehrheit gibt, kein Blumentopf zu gewinnen ist (zumal es mit der KPÖ und der Bierpartei noch zwei Bewerber am linken Rand gibt). <h3> Muss ein anderer Spitzenkandidat her?</h3>Mit einem permanenten Vorbei am Volkswillen etwa in Sachen Asyl (56 Prozent sind laut jüngster Umfrage für eine Asylobergrenze) auch nicht. <BR /><BR />Im jüngsten APA-Vertrauensindex (Abfrage der Spitzenpolitiker) stürzte Babler um 5 Punkte ab. Und wenn er bei der Europa-Wahl im Juni nicht nur Platz 1 (den hat die FPÖ so gut wie in der Tasche), sondern auch Platz 2 verfehlen sollte (die ÖVP hofft noch), dann könnten in der SPÖ schnell Stimmen sehr laut werden, die nach einem anderen Spitzenkandidaten für die Herbstwahl rufen, und Babler bleibt „bloß“ Parteichef. Oder aber es geht gleich um einen neuen „Teamchef“. <BR />