Die enge Verbundeinheit zwischen Benedikt XVI. und Bayern zeigte sich in vielerlei Hinsicht. <BR /><BR />Sie äußerte sich seiner Liebe zu Brauchtum, Tracht und Volksmusik schon in seiner Zeit als Erzbischof in München und fand ihren ersten Höhepunkt, als eine starke Abordnung der Gebirgsschützen zur Inthronisation nach Rom gefahren ist – wobei auf dem Petersplatz die Hymne „Gott mit Dir, Du Land der Bayern“ erklang. Zur Beisetzung des Papstes reisen wieder die Schützen nach Rom, 4 Omnibusse, so auch einer aus Tegernsee, wo Benedikt Ehrenleutnant der dortigen Kompanie gewesen ist. <h3> Singuläre Episode der Kirchengeschichte</h3>Diesmal ist es die Trauer, welche die Ehrenformation der Schützen prägt, nach vielen freudigen Begegnungen. Für sie und für die meisten Bayern geht damit eine singuläre Episode der Kirchengeschichte zu Ende. Aber auch Menschen, denen die starke gefühlsmäßige Bindung an diesen Papst, die Kirche überhaupt und, damit so eng verwoben, die bayerische Tradition nicht zu eigen ist, müssen ihren Respekt vor dem Toten zollen. <BR /><BR />Als Theologe und Wissenschaftler war er von außerordentlichem Rang, und seine Trilogie „Jesus von Nazareth“ erregte Bewunderung weit über kirchliche Kreise hinaus. Es dürfte einmalig sein, dass ein umfangreiches, anspruchsvolles theologisches Werk zum Beststeller hat werden können. <BR /><BR /><embed id="dtext86-57628528_quote" /><BR /><BR /> Doch auch dem Papst Benedikt blieb nicht erspart, was Christus prophezeit hat: „Ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen“. (Mt 10, 21) <h3> Gefahr einer Kirchenspaltung</h3>Der Papst, ein Konservativer im schönsten Sinn, sah schon als Professor in Regensburg eine Front gegen sich, die einen Bogen schlug von, – was nicht verwundert – glaubensfeindlichen Kräften bis zu Männern innerhalb der Kirche. Dabei wurde die Forderung nach Reformen überdehnt bis zu dem Punkt, wo die Grenze zur Häresie schon greifbar ist. Benedikt hat die Gefahr gesehen, dass Kräfte, welche die Kirche spalten könnten, wieder ihren Ausgang in Deutschland nehmen würden. <BR /><BR /> Jetzt ist er eingegangen in Gottes Frieden. Die Hoffnung auf Auferstehen, welche die Kirche seit 2000 Jahren predigt und Benedikts persönliche, innige Frömmigkeit geben über die Trauer hinaus der Erkenntnis und dem Empfinden Raum, dass dieser Tod eine Erfüllung darstellt, und dass hier ein Leben zu Ende gegangen ist, das in seiner Lauterkeit und seiner Sinnhaftigkeit ein Beispiel gibt, wie es dem Oberhaupt der Katholischen Kirche zukommt. Und wir Zurückgebliebenen haben an diesem Leben ein wenig Anteil haben dürfen. <BR />