Bozens Gemeindeakustikplan hat konkrete Auswirkungen auf die Stadtentwicklung, auch im Bereich Wohnen. Vize-Bürgermeister Stephan Konder erklärt in einem Interview, wo er neuen Wohnraum für möglich hält, wann der Gemeindeentwicklungsplan in Angriff genommen wird und wie es beim Projekt Bahnhofsareal aussieht.<BR /><BR />Ende Juni hat Bozens Stadtrat den Entwurf zum Gemeindeakustikplan genehmigt. Der sogenannte Lärmschutzplan gibt Bozen Leitlinien bei der Entwicklung der Stadt. Vize-Bürgermeister Stephan Konder spricht in einem Interview über „eine Expansion ins Grüne“ beim Thema Wohnraum, über einen möglichen innerstädtischen Standort für neue Wohnungen und über die Entwicklungen beim Bahnhofsareal.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Konder, hat der Stadtrat den im Juni genehmigten Entwurf zum Lärmschutzplan unverändert übernommen, ober gab es Änderungen?</b><BR />Stephan Konder: Im Vorfeld gab es einen Austausch mit dem Land, mit den Unternehmern und den Gewerkschaften, um verschiedene Interessen und Anregungen anzuhören und bestmöglich zu berücksichtigen. Auf dieser Grundlage wurde der Plan entsprechend optimiert und dann vom Stadtrat genehmigt. Wir haben zum Beispiel die Klasse 6 für das Areal auf dem sehr lärmintensiven Stahlwerk eingeführt. Diese Hochstufung war im Plan des Landes, an den wir uns anlehnen mussten, nicht vorgesehen. Das Gelände, auf dem die Stahlwerke produzieren, gehört ja dem Land, die Konzession verfällt Ende Dezember 2025, dann muss die Konzession neu ausgeschrieben werden und erst danach müssen die Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Diese stehen dort ja schon lange im Raum, um die angrenzenden Bewohner zu schützen. Die Stahlwerke haben somit genügend Zeit, sie zu verwirklichen.<BR /><BR /><BR /><b>Wie beurteilt die SVP den Gemeindeakustikplan?</b><BR />Konder: Wir begrüßen den Entwurf. Auch im Hinblick auf die Erstellung des Gemeindeentwicklungsplans ist er von zentraler Bedeutung. Der Lärmplan basiert auf fundierten Messungen und ist eine Fotografie der Lage auf dem gesamten Stadtgebiet. Besonders in der Industriezone gilt es natürlich den Interessen der Wirtschaft Rechnung zu tragen. Änderungen am Plan wären etwa möglich, wenn sich ein Unternehmen neu ansiedeln möchte, das entsprechende Areal aber in einer zu niedrigen Lärm-Klasse eingestuft ist. Eine Hochstufung ist in einem solchen Fall denkbar.<BR /><BR /><BR /><b>Thema Wohnen: Welche Möglichkeiten sehen Sie mit diesem Lärmschutzplan?</b><BR />Konder: Die Ausarbeitung des Gemeindeentwicklungsplans wird, zusammen mit dem Akustikplan und den anderen Vorgaben, die zukünftige Entwicklung und Ausdehnung der Stadt Bozen maßgeblich beeinflussen. Die Entwicklung wird sich dabei vorrangig an den zu ermittelten Bedürfnissen orientieren. Eine Ausdehnung der Stadt soll innerhalb der festzulegenden Stadtgrenzen erfolgen, wie im April 2023 grundsätzlich mit Stadtratsbeschluss definiert. Das bedeutet, dass wir mit den vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen haben, Flächen wo möglich verdichten, um diese besser zu nutzen und den Bodenverbrauch zu begrenzen. Bozen muss nachhaltig und geordnet weiterentwickelt werden.<BR /><BR /><BR /><b>Wann geht Bozen den Gemeindeentwicklungsplan an?</b><BR />Konder: Die Ausarbeitung wird in den kommenden Wochen starten und innerhalb Herbst 2025 feststehen. Dann wird man sehen, wie groß der Bedarf an Wohnraum ist, wo zusätzlicher Wohnraum entstehen kann und welche Flächen zur Verfügung stehen. Dann wird es darum gehen festzulegen, innerhalb welcher Zeiträume wie viel Wohnraum wo geschaffen werden kann. Eines ist klar, es braucht zusätzlichen Wohnraum zu vertretbaren Preisen.<BR /><BR /><BR /><b>Wo kann sich die SVP eine Weiterentwicklung bei neuem Wohnraum vorstellen?</b><BR />Konder: Das wird sich im Rahmen dieser Ausarbeitung ergeben. Wir haben immer gesagt, dass wir uns eine Weiterentwicklung innerhalb der festzulegenden Stadtgrenzen vorstellen. Zuerst müssen Flächen verwendet werden, die dort nutzbar sind. Dann erst kann man nach Alternativen suchen. Eine Expansion ins Grüne hinaus sollte die letzte aller Möglichkeiten sein. <BR /><BR /><BR /><b>Sie schließen das aber nicht völlig aus?</b><BR />Konder: Ich bin überzeugt, dass man innerhalb der Stadt Flächen findet, um nicht ins Grüne gehen zu müssen. Das ist auch der Beschluss des Stadtrates: Flächen zu nutzen und zu valorisieren, die schon erschlossen sind. Nehmen wir zum Beispiel das Areal der Huber-Kasernen in der Drususstraße. Wichtig ist aber nicht nur neuen Wohnraum festzulegen, sondern auch klarzustellen, wem diese Wohnungen zugutekommen. Es geht nicht um Wohnungen, die sich kaum jemand leisten kann. Das ist das Letzte, was wir brauchen. Benötigt werden leistbare Wohnungen für den Mittelstand, auch über die Zusammenarbeit mit Genossenschaften.<BR /><BR /><BR /><b>Wie steht die SVP zum Projekt Wohnbau an der Rombrücke?</b><BR />Konder: Einen offiziellen Standpunkt dazu haben wir nicht festgelegt. Das Projekt wurde vorgestellt, im Detail haben wir das intern nicht diskutiert. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir das sicher auch besprechen. Dort sind mehrere Aspekte zu berücksichtigen, darunter das Thema Verkehrsplanung. <BR /><BR /><BR /><b>Wie geht es mit dem Bahnhofsareal weiter?</b><BR />Konder: Derzeit laufen dazu Gespräche vermögensrechtlicher Art zwischen dem Land und den Eisenbahnen. Die Gemeinde Bozen ist flankierend dabei. Die ursprüngliche Lösung, einen Investor zu finden, der zuerst den Bahnhof baut und dann das restliche Areal, ist aufgrund veränderter Rahmenbedingungen nicht mehr realisierbar. Natürlich haben wir viel Zeit verloren. Die Podrecca-Studie stammt aus dem Jahr 2013. Jetzt müssen wir andere Lösungen finden. Einerseits muss der neue Bahnhof von den Eisenbahnen gebaut und die neue Gleisstrecke verlegt werden. Wir sprechen von Hunderten Millionen Euro. Zu klären ist, wie das Abkommen finanztechnisch umgesetzt wird. <BR /><BR /><BR /><b>Wie soll das Areal dann entwickelt werden?</b><BR />Konder: Es könnte zum Beispiel sein, dass das Areal aufgeteilt und in kleinen Teilen an Investoren verkauft wird, natürlich mit Vorgaben der öffentlichen Hand, um ein ausgewogenes Gesamtkonzept zwischen öffentlichen und privaten Einrichtungen zu garantieren. Unklar ist, ob das Podrecca-Projekt zum Teil trotzdem umsetzbar ist und wenn ja, mit welchen Verbesserungen. Das ist alles sehr komplex, wie man sieht. Natürlich bietet das Areal viele Möglichkeiten für Wohnungen. <BR /><BR /><BR /><b>Arbeiterwohnheime in Gewerbezonen sind erlaubt. Gibt es diesbezüglich Projekte in der Industriezone?</b><BR />Konder: Arbeiterwohnheime können laut Beschluss Landesregierung vom Juli 2023 in sogar in der Lärm-Klasse V gebaut werden. Solche Einrichtungen sind eine sinnvolle Ergänzung der Bemühungen, den Wohnungsmarkt zu entlasten. Derzeit gibt es vereinzelt Anfragen für solche Projekte, diese halten sich aber sehr in Grenzen. Pro Arbeiterwohnheim sind bis zu 30 Wohneinheiten möglich, aber für einen Industriebetrieb ist es nicht einfach, da diese Einheiten für Arbeiter laut der Landesverordnung nur für 12 Monate vergeben werden können, damit keine dauerhafte Ansiedelung, also ein „de-facto“ Wohngebiet entsteht.<BR /><BR /><BR /><b>Wie viele Anfragen für Arbeiterwohnheime gab es?</b><BR />Konder: In den letzten Monaten hat es einige Gespräche gegeben, konkrete Anfragen gab es bisher aber keine.