Wieder Krieg in Europa! 20 Jahre nach Beendigung des Balkankrieges wird in Europa zu den Waffen gegriffen. Putin hat seine Armee losgeschickt, um die Ukraine in seine Herrschaft zu bekommen.<BR /><BR />Was hat den russischen Präsidenten dazu bewogen? Genau kann das niemand sagen. Putins rhetorische Phrasen, von wegen russisches Genozid in der Ostukraine, dienen allein dazu, dem einfachen russischen Volk über das Staatsfernsehen eine plakative, wenn auch falsche, Begründung für seinen Militärschlag zu liefern.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53048953_quote" /><BR /><BR /><BR />Plausibler sind sicherheitspolitische Überlegungen. Wäre die Ukraine früher oder später in die NATO aufgenommen worden, wären die Raketen der westlichen Alliierten etwa 400 Kilometer vor Moskau stationiert worden. Das kann den Russen nicht gefallen. Da wurde vielleicht der Fehler gemacht, dass das westliche Militärbündnis mit dem Gedanken kokettiert hat, dem russischen Bären näher auf den Pelz zu rücken. Viel gescheiter wäre gewesen, wenn die EU den Ukrainern nahegelegt hätte, auf einen neutralen Status zu pochen; denn so hätte eine wirtschaftliche und kulturelle Vereinigung mit der EU die Russen weniger aufgeschreckt.<BR /><BR />Die Ukrainer haben sich aber stets für eine vollkommene Abnabelung von Moskau eingesetzt, Ukrainer und Russen haben sich als Feinde gesehen. Mit Ausbruch des Ukraine-Konflikts im November 2013 erfolgten regelmäßige gegenseitige Nadelstiche.<BR /><BR />Ein heikler religiöser Aspekt dürfte dabei in Moskau gröbere Unstimmigkeiten ausgelöst haben. Die russische Orthodoxie hat auch ihre Wurzeln im Höhlenkloster von Kiew und die ukrainische Orthodoxie war immer mit dem Patriarchat von Moskau verbunden. Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Selbstständigkeit der Ukraine blieb die Verbindung der ukrainischen Kirche zum Patriarchen von Moskau bestehen. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53048954_quote" /><BR /><BR /><BR />Bis der frühere ukrainische Präsident Petro Poroschenko erreichte, dass der Patriarch von Konstantinopel, als Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirche, eine eigenständige ukrainische Kirche genehmigte. Die Folge davon war, dass zum politischen auch ein scharfer religiöser Konflikt dazukam. Und Putin jetzt auch ein religiöses Argument zur „Wiedervereinigung“ auftischen kann.<BR /><BR />Letztendlich dürfte der Befehl zum Einmarsch in die Ukraine aber vor allem auf persönliche Befindlichkeiten Putins zurückzuführen sein. <BR /><BR />Die Westeuropäer und die Amerikaner unterschätzen den Stolz der Russen und besonders von Wladimir Putin. Wenn der russische Präsident auf die Landkarte blickt, sieht er ein enormes Land mit ungeahnten Bodenschätzen, das aber in der Weltpolitik keine entsprechende Rolle spielt. Ganz im Gegenteil, die Russen werden von den Amerikanern gerne in die Ecke der Bedeutungslosigkeit gedrängt und die Europäer schauen nickend zu.<BR /><BR />Dabei vergessen die westeuropäischen Staaten, welche Bedeutung die geografische Nähe und die enorme Ausdehnung Russlands für die Wirtschaft hat.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53048955_quote" /><BR /><BR /><BR />Putin hat den westlichen Staaten auch nicht verziehen, dass sie ihn bei der Olympiade in Sotschi praktisch alleine auf der Ehrentribüne haben sitzen lassen. Nun zeigt er der ganzen Welt, dass er doch eine Rolle auf der Weltbühne spielt, wenn auch eine negative.<BR /><BR />Allen Embargodrohungen zum Trotz besetzen seine Truppen ein Land, das sich mit einer starken demokratischen Bewegung von der russischen Hegemonie im Osten lossagen wollte. Einige politische Beobachter sehen genau in der Niederschlagung aller demokratischen Bewegungen im Osten den wahren Grund für den militärischen Schlag.<BR /><BR />Die blutige Unterdrückung der demokratischen Bewegung in Weißrussland mit Hilfe Putins war der Anfang. Die Bomben auf die Ukraine sind jetzt gefolgt. Diese Botschaften gelten aber eigentlich den Russen: „Wer Demokratie fordert, spürt das Schwert!“.<BR /><BR />Wenn hinter den blutigen Aktionen wirklich die Angst Putins vor einer demokratischen Bewegung in Russland steckt, könnte das der Beginn des Untergangs Putins sein. Wenn das russische Volk wirklich die Demokratie möchte, kann Putin diese Entwicklung hinauszögern, aufhalten kann er sie aber nicht. <BR /><BR />Mit seiner Aggression der Ukraine könnte dieser Prozess sogar beschleunigt werden, weil die westlichen Staaten alle Hebel in Bewegung setzen werden, um Putin das Leben schwer zu machen und die Opposition zu stärken. Es bleibt zu hoffen, dass das reichen wird, um Putins Expansionsgelüste zu bremsen.<BR />