Groff ist selbst Bestsellerautorin und feierte schon mit Werken wie „Licht und Zorn“ oder „Die weite Wildnis“ Erfolge. Auch gegen ihre Bücher gab es schon Verbotsanstrengungen. Zudem gehört Florida, wo die 48-Jährige mit ihrer Familie lebt, laut Pen America zu den US-Bundesstaaten mit den meisten Buchverboten. Als Reaktion eröffnete Groff 2024 „The Lynx“, benannt nach auch in Florida heimischen Luchsen. <BR /><BR />„Watch us Bite Back“ steht in großen schwarzen Buchstaben an der Außenwand des Geschäfts in der Stadt Gainesville im Norden des Bundesstaats – „schau zu, wie wir zurückbeißen“.<BR /><BR />„Dieser Laden wäre wahrscheinlich immer noch ein Wunschtraum, wenn all diese Buchverbote nicht passiert wären“, sagte Groff zur Eröffnung der „New York Times“. „Ich will das auch für mich. Ich will nicht an einem Ort leben, wo die freie Meinungsäußerung erstickt wird.“ Groff verkauft nicht nur Bücher, gegen die anderswo vorgegangen wird, sie organisiert unter anderem auch regelmäßige Leseclubs dazu und verteilt sie kostenlos an Schulen.<BR /><BR />Bücher-Verbote sind in den USA nichts Neues, dokumentiert seit Gründung des Landes. Grundsätzlich kann in den USA jeder Mensch und jede Organisation gegen ein Buch in einer Bibliothek – etwa einer Schulbibliothek oder einer öffentlichen Bibliothek – eine begründete Beschwerde einreichen, ähnlich wie in Deutschland. Diese muss dann unter anderem von fachlich ausgebildetem Bibliothekspersonal geprüft werden, um zu entscheiden, ob das Buch bleibt, wo es ist, ob es vielleicht in eine andere Abteilung umsortiert oder ganz aus dem Bestand genommen wird.<h3> Anzahl von Beschwerden gegen Bücher hat stark zugenommen</h3>Dramatisch geändert hat sich in den vergangenen Jahren – speziell seit dem ersten Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump – laut Pen America die Anzahl der Beschwerden und die Anzahl der Bücher, die als Reaktion auf solche Beschwerden tatsächlich aus den Regalen von Bibliotheken entfernt wurden. <BR /><BR />„Das ist eine Krise“, sagt die Informationswissenschaftlerin Emily Knox von der University of Illinois. „Die Kulturkrieger sind zu den Bibliotheken, Schulen und manchmal auch den Buchläden gekommen. Das hat sich geändert. Die Anzahl ist so nie da gewesen, die Gründe für die Beschwerden sind die gleichen.“<BR /><BR />Den jüngsten Zahlen von Pen America zufolge wurden im Schuljahr 2024/2025 insgesamt 3.743 Bücher alleine aus Schulbibliotheken in den USA verbannt. In den meisten dieser Bücher kamen auf unterschiedliche Art und Weise Themen wie Gewalt, Sexualität, Identität, Tod, Trauer, Selbstbewusstsein oder Missbrauch vor. <BR /><BR />„Die Freiheit zu lesen und zu lernen und das Recht auf den Zugang zu Informationen, Ideen und Wissen ist einer der wichtigsten Grundsteine einer demokratischen Gesellschaft“, heißt es von Pen America. Bücher aus Schulbibliotheken zu verbannen, untergrabe dies und verletzte Menschenrechte.<BR /><BR />Als Gründe für die Beschwerden wird meist auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen verwiesen – es handele sich um Bücher mit Inhalten, die nicht angebracht oder sogar gefährlich für Kinder sein könnten. Zudem wird argumentiert, dass es sich ja nicht um Buch-Verbote handele. Die Bücher seien weiter erhältlich – etwa in anderen Bibliotheken oder in Buchläden. Sie würden zum Schutz der Kinder und Jugendlichen aus deren direktem Zugriffsbereich entfernt. Auch das sei Zensur, widerspricht unter anderem Pen America.<BR /><BR />Beschwerden gegen Bücher habe es schon immer gegeben und es sei ja auch das Recht jedes Menschen, sie einzureichen, schreibt die Bibliothekarin Amanda Jones aus dem südlichen US-Bundesstaat Louisiana in ihrem Bestseller „That Librarian“. Neu sei allerdings, dass nicht einzelne Menschen vereinzelte Beschwerden einreichten – sondern sich zu Organisationen zusammenschlössen, massenweise und flächendeckend Beschwerden einreichten und die Zuständigen in den Bibliotheken dann auch öffentlich und via Social Media einschüchterten, um zu erreichen, dass die Bücher auch wirklich aus den Regalen genommen werden. So erging es auch ihr, sie musste sich sogar vor Gericht zur Wehr setzen.<h3> Öffentliche Einschüchterung von Bibliothekspersonal</h3>Das sei der Kulturkampf, schreibt Jones – es handele sich um Menschen und Organisationen wie beispielsweise den konservativen Aktivistenverband Moms for America, die vielfach im Gleichschritt mit der Politik von US-Präsident Trump beispielsweise die Rechte von Menschen aus der LGBTQI+-Gemeinschaft einschränken wollten und unter anderem diese Vorgehensweise dafür nutzten. Die englische Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transmenschen, queere sowie intergeschlechtliche Menschen. Das Pluszeichen ist ein Platzhalter für weitere Identitäten und Geschlechter.<BR /><BR />Moms for America wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern. Längst haben sich auch auf der Gegenseite Organisationen gebildet – wie etwa das Florida Freedom to Read Project – die jede Form von Buch-Verbannung vehement verhindern wollen.<BR /><BR />Eine Sache zeige dieser Kulturkampf ganz deutlich, sagt Informationswissenschaftlerin Knox: „Er zeigt, warum Lesen wichtig ist, warum Lesen so eine große Bedeutung hat, und warum die Menschen Bücher lieben. Man würde sich gar nicht erst die Mühe machen, zu versuchen ein Buch zu verbieten, wenn man nicht denken würde, dass Lesen wichtig ist.“