Dienstag, 08. Juni 2021

Das Manifest der Wünsche: Für ein behindertenfreundliches Bozen

Auf einer Pressekonferenz auf dem Bozner Rathausplatz hat der Stadtrat für Sozialpolitik der Stadtgemeinde Bozen, Juri Andriollo, das „Manifest der Wünsche: Was ich trotz meiner Behinderung alles machen könnte“ vorgestellt.

Die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung unterscheiden sich letzten Endes nicht sehr von jenen Menschen ohne Behinderung.
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Die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung unterscheiden sich letzten Endes nicht sehr von jenen Menschen ohne Behinderung. - Foto: © shutterstock
Die Studie wurde vom Assessorat für Sozialpolitik der Stadtgemeinde Bozen in Zusammenarbeit mit dem Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Bozen durchgeführt. Anwesend waren bei der Pressekonferenz auch die Präsidentin des Beirates, Lisl Strobl, und der Beauftragte des Gemeinderates Bozen für die Belange der Menschen mit Behinderung, Ulrich Seitz.

Die Ziele der Studie sind die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, was Menschen mit Behinderung beschäftigt, welchen Problemen sie im Alltag begegnen und welche Wünsche sie haben. Menschen mit Behinderung sind ein bereichernder Teil unserer Gesellschaft und sie sind „Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit“, wie es in der UN-Behindertenrechtskonvention steht.

Bozen soll behindertenfreundlicher werden


Die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung unterscheiden sich letzten Endes nicht sehr von jenen Menschen ohne Behinderung. Beide Studien, das Manifest der Wünsche und das Freizeit- und Sportangebot für Menschen mit Behinderungen, hat Frau Silvia Recla von der Beobachtungsstelle für Sozialpolitik und Lebensqualität der Stadtgemeinde Bozen geleitet und durchgeführt.

Es wurden Ziele und Wünsche erfasst und Vorschläge ausgearbeitet, die dazu beitragen sollen, Bozen zu einer behindertenfreundlichen Stadt zu machen. Die Schwerpunkte liegen auf den Themen Förderung, Sensibilisierung, Unterstützung, Information, Zugänglichkeit und Sicherheit.

Das „Manifest der Wünsche“ wird an verschiedenen Orten im Stadtgebiet ausgehängt. Auf dem Plakat sieht man 2 Menschen, die über eine Wiese laufen und die Arme in die Luft strecken, um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, denn ein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, ein Wunsch, der für Menschen mit Behinderung häufig schwer umsetzbar ist: Zu heiraten und zusammenzuleben. Um die 2 glücklichen Menschen herum sind einige Wünsche angeordnet, welche die Menschen mit Behinderung, die im Rahmen der Studie befragt worden sind, geäußert haben.


Stadtrat Andriollo sagte, dass es wichtig sei, die bereits vorhandenen Dienste, Angebote und Einrichtungen fortzuführen, aber es sei ebenso wichtig, die Betroffenen anzuhören und auch dort Lösungen zu finden, wo die öffentliche Hand an ihre Grenzen stößt. „Um die Wünsche und Nöte zu kennen und um Lösungsvorschläge ausarbeiten zu können, hat die Stadt Bozen die Menschen mit Behinderung gefragt, welche Wünsche sie haben.“

Silvia Recla, die die 2 Studien geleitet hat, hat erklärt, dass die Mitmenschen mit Behinderung nicht nur durch ihre Behinderung von der Teilhabe am sozialen Leben ausgeschlossen werden, sondern auch durch Barrieren, die im Umfeld der Personen bestehen.

„Daher wurde in dieser Studie versucht, die Menschen mit Behinderung direkt einzubinden, um mit ihnen gemeinsam Vorschläge zu erarbeiten, die sie in die Lage versetzen, ihre Wünsche zu verwirklichen. Menschen mit Behinderung sollen auch selbst entscheiden dürfen, wie sie ihre Wünsche verwirklichen möchten“, sagte Recla.

Die 1. Studie umfasst 55 Ziele und Wünsche und 198 Vorschläge für eine behindertenfreundlichere Stadt.Die 2. Studie befasst sich mit dem Freizeit- und Sportangebot für Menschen mit Behinderung. Sie trägt den Titel „Sport und Freizeit: Was ich trotz meiner Behinderung alles machen könnte“.

„Sie haben auch ein Recht auf Chancengleichheit“


Stadtrat Andriollo sagte, „dass Menschen mit Behinderung häufig keine gute Lebensqualität haben, weil sie sich in ihrer Freizeit langweilen, weil sie keine geeignete Beschäftigung haben und weil sie keine sozialen Kontakte pflegen können. Die UN-Behindertenrechtskonvention sieht aber vor, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf Inklusion und Teilhabe am sozialen Leben haben. Sie haben auch ein Recht auf Chancengleichheit und das Recht auf Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben, an Erholung, Freizeit und Sport.“ In dieser 2. Studie wurde daher im Auftrag der Stadt Bozen das Freizeit- und Sportangebot für Menschen mit Behinderungen untersucht.

„Ausgehend vom Manifest der Wünsche wurden gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen 10 spezifische Ziele und 57 Vorschläge ausgearbeitet“, erklärte Andriollo. Es wurden auch Richtlinien verfasst, welche bei der Sanierung, dem Umbau oder Neubau von Freizeit- und Sportanlagen als Orientierungshilfe dienen sollen, damit diese Einrichtungen barrierefrei von allen Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden können.

„Infolge der Coronapandemie und des Lockdowns haben sich auch die Arbeitsmodelle radikal verändert“, sagte der Gemeindebeauftragte Ulrich Seitz. „Millionen von Italienern waren im Home-Office und machten Smart Working, am Arbeitsplatz mussten strenge Hygieneregeln eingehalten werden und viele Menschen konnten überhaupt nicht arbeiten. In den Zeitungen und in den Medien wurde viel darüber berichtet, wie der Lockdown die Arbeitsweise verändert hat, aber es wurde kaum daran gedacht, welche Auswirkungen die Coronakrise auf Menschen mit Behinderung hat.“

Und die Präsidentin des Gemeindebeirates, Lisl Strobl, sagte: „Nur durch ernsthafte Inklusion, die von uns allen gelebt wird, wird die Würde des Menschen geachtet, auch die eines Menschen mit einer Behinderung.“


lmn