Das Schreckgespenst der Unregierbarkeit belastet seinen Mitte-links-Block, der auf einen klaren Sieg in beiden Parlamentskammern gehofft hatte, um Italien eine solide Mehrheit zu bescheren.Der unerwartet große Erfolg der Mitte-rechts-Allianz um Silvio Berlusconi und der Protestbewegung „5 stelle“ um den Starkomiker Beppe Grillo machte Bersani jedoch einen Strich durch die Rechnung.Kooperation als einziger AuswegUm eine politische Blockade wegen der Pattsituation im Senat abzuwenden, könnte Bersani jetzt zu einer Zusammenarbeit mit dem scheidenden Premier Mario Monti und sogar mit seinem Erzrivalen Berlusconi gezwungen werden.Völlig unklar ist, wie eine Regierung in Rom aussehen könnte, denn ein stabiles Kabinett muss in beiden Kammern eine Mehrheit haben, um Gesetze durchzubringen.Im Senat erreichte allerdings kein Bündnis die nötige Mehrheit von 158 Sitzen, auch eine Koalition von Bersani und dem Zentrumsblock um den scheidenden Premier Monti würde nicht ausreichen.Bersani wäre daher theoretisch auf die Unterstützung von Grillo oder Berlusconi angewiesen. Damit stehen die Parteien vor schwierigen Verhandlungen über eine Regierungsbildung, an deren Ende auch Neuwahlen stehen könnten.„Sehr heikle Lage“Das Land befinde sich in einer „sehr heiklen Lage“, gab Bersani besorgt zu. „Wir werden die Verantwortung, die diese Wahlen uns gegeben haben, im Interesse Italiens meistern“, fuhr er fort.Was das konkret bedeuten wird, ist allerdings noch unklar. Politische Beobachter sind der Ansicht, dass Bersani zu einer „Großen Koalition“ mit Berlusconi gezwungen werden könnte, um Italien ein griechisches Chaos zu ersparen.Berlusconi signalisierte DialogbereitschaftBerlusconi selber signalisierte am Dienstag Dialogbereitschaft. „Italien darf nicht unregiert bleiben, wir müssen nachdenken, wie es weitergehen soll“, sagte Berlusconi in einem Fernsehinterview. Alle Seiten müssten nun Opfer bringen.Eine Koalition mit dem Zentrumsbündnis Montis schloss der Milliardär allerdings aus. Das schlechte Abschneiden von Monti bezeuge, dass ein Großteil der Bevölkerung mit dem Sparkurs nicht einverstanden sei, argumentierte der Politiker.Bersanis Koalitionspartner, der Linkspolitiker Nichi Vendola, schließt eine Allianz mit Grillo nicht aus.Monti sei der wahre Verlierer dieses Wahlgangs, Grillo sei der Sieger. Man dürfe die Protestbewegung nicht ausgrenzen, sondern mir ihr verhandeln.Und sonst NeuwahlenSollte es zu keiner Einigung zwischen Berlusconi und Bersani kommen, werden Neuwahlen mit einem neuen Wahlgesetz nicht ausgeschlossen.„Angesichts dieses Szenario könnten wir ein neues Wahlgesetz verabschieden und wieder wählen“, meinte der Spitzenpolitiker von Bersanis Demokratischer Partei (PD), Stefano Fassina.Die PD-Fraktionschefin, Anna Finocchiaro, warnte vor der Aussicht eines weiteren Urnengangs in wenigen Monaten. „Italien braucht eine stabile Regierung“, sagte Finocchiaro. Man müsse die Wahlergebnisse überprüfen und Italien weitere Parlamentswahlen ersparen.Der Präsident der linken Region Toskana, Enrico Rossi, zeigte sich wegen der Gefahr der Unregierbarkeit in Italien besorgt. „Berlusconis Wahlerfolg hat alle Erwartungen übertroffen.Offensichtlich hat die versprochene Rückerstattung der Immobiliensteuer, eine der größten Lügen aller Zeiten, funktioniert. Zugleich wächst die Protestbewegung “5 stelle„, die eine unerwartet große Rolle im neuen Parlament spielen wird. Diese Revolution wird zu starker Instabilität im Land führen. Dabei muss Italien regiert werden“, sagte Rossi. Das Parlament hätte vor den Wahlen ein neues Wahlgesetz verabschieden sollen, kritisierte Rossi.Politische Beobachter hoben den erdrutschartigen Erfolg von Grillos Protestbewegung hervor. „Der Erfolg Grillos hat alle Erwartungen übertroffen. Bisher hat es in Europa noch nie eine Partei gegeben, die zum ersten Mal an Parlamentswahlen teilnimmt und über 23 Prozent der Sitze erobert. Das war nicht einmal Berlusconi im Jahr 1994 gelungen“, berichtete der Politologe Roberto D'Alimonte.Grillos Partei ist mit 25 Prozent zur stärksten Einzelpartei in der Abgeordnetenkammer aufgerückt. Im Senat schaffte sie es auf 23 Prozent.__________________________________________________________________________Die Parlamentswahlen sind geschlagen, das Ergebnis ist ein Patt. Italien scheint somit unregierbar. Was nun? Stimmen Sie ab in unserer TED-Umfrage.apa