Der afrikanische Kontinent weckt bei den meisten Europäern gemischte Gefühle, zumal der Putsch im Niger alte Vorurteile wieder einmal zu bestätigen scheint. Doch die Realität ist weitaus komplexer. <BR /><BR /><BR />Eine Metropole wie die angolanische Hauptstadt Luanda gehört heute zu den teuersten und attraktivsten der Welt. Direkt daneben herrscht unvorstellbares Elend. Viele junge Afrikaner sind aber entschlossen, ihren Kontinent voranzubringen, etwa bei der Digitalisierung, bei der es ihnen immer wieder gelingt, Maßstäbe für andere Erdteile zu setzen - auch für Europa.<BR /><BR /><BR />Leider existiert jedoch durchaus so etwas wie ein Kreuz der Armut und des staatlichen Zerfalls. Es reicht vertikal von Libyen über den Tschad und die Zentralafrikanische Republik bis in den Kongo, das dunkle Herz Afrikas, horizontal hingegen von Eritrea über den mittlerweile zweigeteilten Sudan bis nach Mali. <BR /><BR /><BR />Vor allem Westafrika wird in letzter Zeit von Schrecknissen wie Aufständen, Hungersnöten, ethnischen Konflikten und der berüchtigten Wagner-Gruppe heimgesucht, die immer noch bestrebt ist, so etwas wie ein Russisch-Westafrika zu errichten. Der Abzug von Franzosen und Deutschen aus Mali und die jüngsten Wirren in Niger markieren das Scheitern der europäischen Afrika-Politik, sofern es eine solche jemals gegeben hat.<BR /><BR /><BR />Die EU muss darauf mit Geschlossenheit und einer langfristigen, klugen Strategie reagieren. Dazu gehören die Wiedereinsetzung eines Afrika-Kommissars, wie es ihn schon einmal gab, eine supranationale europäisch-afrikanische Friedenstruppe, die es vermeiden kann, einen kolonialistischen Eindruck zu erwecken, und partnerschaftlich organisiert ist, sowie die gemeinsame Nutzung erneuerbarer Energien. <BR /><BR />Die Zusammenarbeit mit regionalen Märkten wie der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) darf nicht scheitern und muss so entwickelt werden, dass die Afrikaner davon einen ernsthaften Nutzen haben. Das Trauma des Kolonialismus sitzt noch tief und ist im beiderseitigen Interesse zu überwinden.<BR />