Nachdem die Abgeordnetenkammer dem Vorschlag des Fratelli-d'Italia-Abgeordneten Alessandro Urzì zur Neueinteilung des Senatswahlkreises Bozen-Unterland zugestimmt hat, sieht sich die SVP mit deutlicher Kritik konfrontiert. Mehrere Stimmen werfen der Volkspartei vor, die Interessen des Unterlandes zugunsten parteipolitischer Überlegungen preiszugeben.<BR /><BR />Der Gesetzesvorschlag sieht eine Neuaufteilung des Wahlkreises Bozen-Unterland vor. Demnach würden künftig Tramin, Kurtatsch, Margreid, Kaltern und Eppan dem Wahlkreis Meran zugeschlagen, während Aldein dem Wahlkreis Brixen zugeordnet würde.<BR />Im Wahlkreis Bozen-Unterland verblieben damit vor allem jene Gemeinden zwischen Salurn und Leifers, in denen der Anteil italienischsprachiger Wahlberechtigter höher ist.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337229_image" /></div> <BR /><BR />Kritiker warnen, dass sich dadurch die Chancen eines italienischsprachigen Kandidaten – allen voran des FdI-Politikers Alessandro Urzì – auf das Direktmandat deutlich verbessern könnten.<BR />Die Befürworter der Reform halten dagegen, die Anpassung sei notwendig, um die Wahlkreise an die gesetzlich vorgeschriebenen Bevölkerungsgrößen anzupassen.<h3> Klotz: „Unterland wird ausgeliefert“</h3>Die frühere Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Eva Klotz, bezeichnet die geplante Änderung als politischen Fehler. In einer Aussendung erklärt sie, die SVP liefere das Unterland „praktisch Alessandro Urzì aus“.<BR /><BR />Zudem wirft Klotz der Volkspartei vor, Urzì bereits im Zuge der Reform des Autonomiestatuts politische Erfolge ermöglicht zu haben. Mit der nun vorgesehenen Neuziehung der Wahlkreisgrenzen nehme sie aus parteitaktischen Gründen eine „schmerzliche Teilung des Unterlandes“ in Kauf.<h3> Foppa: „Neue ethnische Grenze“</h3>Auch die Landtagsabgeordnete der Grünen, Brigitte Foppa, übt scharfe Kritik. Ihrer Ansicht nach verfolgt die Reform in erster Linie das Ziel, dem italienischen Mitte-rechts-Lager den Senatssitz im Wahlkreis Bozen-Unterland zu sichern.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337232_image" /></div> <BR /><BR />Urzì ziehe damit eine neue „ethnische Grenze“, erklärt Foppa. Südtirol entlang der sprachlichen Mehrheitsverhältnisse neu zuzuschneiden, sei aus ihrer Sicht weder notwendig noch gerechtfertigt.<BR /><BR />SVP-Obmann Dieter Steger weist diese Vorwürfe als „ungerecht“ zurück. Er verweist darauf, dass die Volkspartei derzeit mit der Regierung in Rom verhandle, um im Gegenzug die bisher nicht international abgesicherten Südtiroler Sitze in der Abgeordnetenkammer abzusichern.<BR />„Dadurch hätten wir erstmals die Vertretungsrechte der Minderheit in beiden Kammern international abgesichert – etwas, das uns in den vergangenen 30 Jahren nicht gelungen ist“, betont Steger.<h3> Plakate sollen an Faschismus erinnern</h3>Doch nicht nur Politiker äußern Kritik. Auch im Unterland regt sich Widerstand gegen die geplante Reform. An der Dolomitenstraße bei Castelfeder wurden inzwischen zwei große Plakate angebracht. Darauf steht: „Deja vu 1927“ und „Das Unterland ist unteilbar“.<BR /><BR />Hintergrund der Aktion ist ein historischer Vergleich: Der Faschist Ettore Tolomei trieb in den 1920er-Jahren die Italianisierung Südtirols voran. In diesem Zusammenhang wurden 1927 die Gebiete südlich von Leifers – also das gesamte Unterland – der Provinz Trient zugeschlagen. Mit den Plakaten wollen die Initiatoren offenbar Parallelen zu den aktuellen Plänen ziehen.<BR /><BR />Erst mit Inkrafttreten des ersten Autonomiestatus im Jahr 1948 kam das Unterland wieder zu Südtirol.<BR /><BR />Die Wahlrechtsreform und die Einteilung der Wahlkreise dürften also auch weiterhin für viel Zündstoff sorgen.