Mit dem Daumen signalisierten römische Kaiser angeblich einst, ob ein unterlegener Gladiator nach einer Schlacht am Leben bleiben oder getötet werden soll. Gesenkter Daumen bedeutete Tod, gestreckter Daumen symbolisierte Leben. Umberto Bossi reagierte am Donnerstag ähnlich. Auf die Frage von Journalisten, ob die Regierung bestehen bleibe, streckte Bossi den Daumen nach unten – und zwar zwei Mal. Zunächst, als er in den Wagen seines Fahrers einstieg, ein zweites Mal im Auto selbst. … und dann kam das Dementi Das Dementi ließ nicht lange auf sich warten: Der Pressesprecher der Lega ließ umgehend verlautbaren, dass sich die Geste nicht auf die Frage der Journalisten, sondern auf die Journalisten selbst bezogen habe. Damit habe Bossi lediglich ausdrücken wollen, dass er nicht gewillt sein, auf diese Art von Fragen zu antworten. Für die Regierungskoalition kommt die missverständliche Geste von Bossi zum falschen Zeitpunkt, denn derzeit hängt der Haussegen mehr als schief: Obwohl versucht wird Einheit zu demonstrieren, ist offensichtlich, dass Silvio Berlusconi – nach den Niederlagen bei den Kommunalwahlen und den Referenden – um den Zusammenhalt seiner Koalition bangen muss. Ein wichtiger Indikator für die weitere politische Entwicklung in Rom wird ein Treffen der Lega im lombardischen Pontida sein: Dort versammelt der Lega-Chef am Sonntag seine Anhänger. In seiner Rede will Bossi angeblich dem gebeutelten Berlusconi Bedingungen für den Verbleib der Lega in der Regierungskoalition bis zum Ende der Legislaturperiode in zwei Jahren stellen. Pontida-Gipfeltreff wird zum Dreh- und Angelpunkt Vieles hängt also vom Treffen in Pontida ab. Eines hat die Lega Nord bereits klargestellt: Weitere Watschen, die eigentlich auf das Konto des Koalitionspartners PdL gehen, wolle sie nicht mehr hinnehmen. „Wir haben keinerlei Absicht, in Zukunft weitere negative Wahlergebnisse zu dulden. Daher wird die Rede Bossis in Pontida mit seinen konkreten Vorschlägen für die Bedürfnisse Norditaliens einen Wendepunkt darstellen. Die Lega Nord ist nicht in der Regierung, um dahinzusiechen“, so Lega-Parlamentarier Giacomo Stucchi am Donnerstag. joi