Donnerstag, 27. August 2015

Deeg will flächendeckende Kinderbetreuung

Auf ein bedarfsorientiertes, flächendeckendes und hochwertiges Angebot zielen die neuen Leitlinien für den Ausbau der Kinderbetreuung ab, die am Donnerstag von Familienlandesrätin Waltraud Deeg vorgestellt wurden.

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"Der Ausbau der Kinderbetreuung ist eine von vielen Maßnahmen, mit denen wir Familien unter die Arme greifen; gleichzeitig bleiben die finanzielle Unterstützung sowie die frühzeitige Stärkung, Bildung und Beratung von Familien wichtige Säulen der Familienpolitik des Landes", sagte Landesrätin Waltraud Deeg bei der Vorstellung der Leitlinien für den Ausbau der Kinderbetreuung.

Sie wurden am Dienstag von der Landesregierung genehmigt und im Vorfeld eingehend mit allen Interessensgruppen und Sozialpartnern diskutiert. Ziel der neuen Leitlinien ist die Einführung eines koordinierten Systems der Betreuung von Kindern im Vorschulalter, mit besonderem Augenmerk auf die ersten Jahre.

Dadurch soll unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert, die Chancengleichheit von Kindern unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern gewährleistet und der Armut durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf Vorschub geleistet werden.

Angebot in jeder Gemeinde und einheitliche Standards

Die neuen Leitlinien sehen ein einheitliches Mindestangebot in jeder Gemeinde vor. Der Ausbau soll stufenweise erfolgen und sich am EU-Ziel von 33 Prozent orientieren. In Südtirol liegt die  Betreuungsquote derzeit bei 19 Prozent bzw. bei 25 Prozent einschließlich der Tagesmütter bzw. -väter. Weiße Flecken gibt es noch in 44 Gemeinden. Auch dort soll es bei Bedarf in Zukunft qualitativ hochwertige familienergänzende Betreuungsangebote geben. So setzen die neuen Leitlinien auf landesweit einheitliche Qualitätsstandards.

"Eine eigene Kompetenzstelle, die bei der Landesfamilienagentur angesiedelt wird, soll sich um die Einhaltung der Richtlinien und Kriterien kümmern", betonte Stefan Walder, Leiter der Landesfamilienagentur. Einheitliche Qualitätsstandards sind auch für die Sommer- und Nachmittagsbetreuung für Kinder im Alter von vier bis 14 Jahren vorgesehen, die sich in den letzten zehn Jahren aufgrund der steigenden Nachfrage und der finanziellen Unterstützung durch das Land sehr vielfältig entwickelt hat. Nicht zuletzt soll die Qualität und Kontinuität der Betreuung auch durch eine angemessene Entlohnung und Rentenversicherung des Betreuungspersonals, durch einheitliche Standards für die Ausbildung und regelmäßige Weiterbildung gewährleistet werden.

Neues Finanzierungsmodell bis 2017

Neu ist im Konzept schließlich, dass alle Formen der Kleinkindbetreuung, also Kinderhorte, Kitas und Tagsmütter bzw. -väter, von Land und Gemeinden mitfinanziert werden sollen. An einem gemeinsamen Arbeitstisch soll mit den Gemeinden verhandelt werden. Erste Gespräche haben bereits stattgefunden. Angedacht sei laut Walder ein möglichst unbürokratisches Abrechnungsmodell mit drei Partnern: Land, Gemeinden und Familien. "Wichtig ist, dass die Kosten für alle Beteiligten gut planbar sind und für Familien möglichst günstig bleiben", so Landesrätin Deeg.

Dabei seien die Familien nicht als Kostenfaktor zu sehen, sondern es müsse ein gesamtgesellschaftliches Anliegen sein, sie zu unterstützen. Eine eigene Arbeitsgruppe wird bis Anfang 2017 ein neues  Finanzierungsmodell für die Kleinkinderbetreuung ausarbeiten.

stol