Strafrechtliche Ermittlungen dürften jedoch nicht von den Behörden des Kosovos oder Albaniens geführt werden. „Die haben ja schon gesagt, dass alle unschuldig sind“, betonte die heutige Botschafterin der Schweiz in Argentinien am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Infrage kommt eigentlich nur die EU-Kosovo-Mission Eulex, die dafür aber entsprechend ausgestattet werden müsste“, fügte Del Ponte hinzu.Nach einem Bericht des Schweizer Europarats-Abgeordneten Dick Marty soll Kosovo-Regierungschef Hashim Thaci jahrelang am Handel mit Organen serbischer Kriegsgefangener beteiligt gewesen sein. Thaci sei nach dem Kosovo-Krieg Ende der 90er Jahre Chef einer mafiaartigen Gruppe gewesen, die auch Morde und andere Verbrechen begangen habe. Die Kosovo-Regierung wies den Bericht zurück. Del Ponte sagte: „Die Ermittlungen müssen zeigen, ob es wirklich Beweise für diese Vorwürfe gibt.“Del Ponte bestätigte zugleich, sie habe nach Ende ihrer Tätigkeit als Chefanklägerin „erschüttert“ erfahren, dass Beweisstücke für die mögliche Entnahme von Organen in Albanien beim Tribunal verschwunden seien. „Es waren Blutproben, Lappen, Fotos und Ähnliches aus dem gelben Haus in Rribe in Nordalbanien“, erinnert sich Del Ponte: „Es war uns damals klar, dass in dem Haus etwas Medizinisches stattgefunden hatte.“Die Anfangsermittlungen des Tribunals seien damals dann ins Stocken geraten, weil Albanien die Zusammenarbeit einstellte. „Wir hatten von Massengräbern mit möglichen Opfern von Organentnahmen in Albanien gehört, und ich wollte das untersuchen lassen, aber die albanischen Behörden sperrten sich“, sagte Del Ponte. Zudem hätten Zeugen die Aussage verweigert. „Sie hatten Angst, weil mehrere unserer Zeugen ermordet worden waren“, sagte Del Ponte. Die Unterstützung durch die Mission der Vereinten Nationen im Kosovo, Unmik, habe damals ebenfalls spürbar abgenommen.Del Ponte, die den Verdacht des Organhandels schon 2008 in einem Buch geäußert hatte, hielt die Gerüchte darüber zunächst für unwahrscheinlich: „Ich dachte, das ist doch nicht möglich.“ Spezialisten hätten ihr aber versichert, dass die Entnahme von Organen medizinisch gar nicht so schwierig sei, sondern die Konservierung der Organe.