Europas Demokratien sind unter Druck. Von außerhalb werden sie in die Zange genommen, und innerhalb versuchen gewisse politische Bewegungen eine Art Relaunch. Mit sogenannten Brandmauern soll verhindert werden, dass diese Parteien weit rechts der Mitte an die Macht kommen, die Zukunft des Kontinents mitgestalten, ihn möglicherweise nachhaltig verändern. <BR /><BR />Der Schutzmechanismus zeigt jedoch mickrigen Erfolg; die Flammen züngeln über die Zinnen. In Österreich hält die FPÖ den Schlüssel des Bundeskanzleramtes quasi in der Hand, in Deutschland ist die AfD in den Startlöchern, Frankreich wird über kurz oder lang vom „Rassemblement National“ regiert werden, und in Italien sitzen die „Fratelli d’Italia“ fest im Sattel. <BR /><BR />Sämtliche Versuche den, Aufstieg der vermeintlichen Antidemokraten zu verhindern, schlagen fehl. Jede Maßnahme bewirkt das Gegenteil und befeuert offensichtlich den Frust der Wählerschaft. Die Altparteien, also jene, die in den Nachkriegsjahren die Demokratie entwickelt, gestaltet, erzogen und verwaltet haben, tragen an den mehr als bedenklichen Entwicklungen eine Mitschuld.<BR /><BR /><embed id="dtext86-68096564_quote" /><BR /><BR />Demokratie heißt zuhören, respektieren, verstehen, handeln – und nicht permanent Versprechen brechen. Demokratie bedeutet Teilhabe, Mitbestimmung, Verständnis, Problemlösung, ein besseres Leben für alle. Wie derzeit jedoch in den großen europäischen Ländern mit dieser wichtigen Errungenschaft umgegangen wird, ist schlussendlich grob fahrlässig. Am Fundament einer gesunden Demokratie muss tagtäglich gearbeitet werden. Sie ist nie eine Selbstverständlichkeit und immer ein Prozess, der ständig im Fluss ist. Der Stillstand mancher politischer Verantwortungsträger lässt jedoch vermuten, dass der Knall noch nicht gehört wurde. Die genannte Brandmauer ist ein mehr als hilfloser Schutzversuch, andere Ideen leiht man sich mittlerweile sogar aus Autokratien. Millionen von Wählern werden konsequent ausgegrenzt, nicht ernst genommen und sogar als Antidemokraten denunziert. Damit wird ein Prozess in Gang gesetzt, der immer mehr außer Kontrolle gerät und die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt. In den aktuell schwierigen Zeiten rund um den Globus ist dies ein fataler Rückschritt, der schwerwiegende Folgen nach sich ziehen wird. Immer mehr Menschen befinden sich im Abwehrmodus und laufen zugleich jenen Parteien in die Arme, die wie Marktschreier mit ihren einfachen Botschaften durch die Lande ziehen. Für die Alten gilt: Man muss dem Volk nicht ständig nach dem Mund reden, aber wenigstens zuhören. Ehrlich, ernsthaft, empathisch: Auch das ist Demokratie.<BR /><BR /> <a href="mailto:michael.fink@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">michael.fink@athesia.it</a>