Die Stimmung im Westen ist im Keller, das belegen anscheinend die jüngsten Zahlen des US-Meinungsforschungsinstituts Morning Consult. In keinem großen europäischen Land haben die Vertreter des Volkes das Volk noch hinter sich. Die Ablehnungsquoten sind historisch.<BR /><BR /> Emmanuel Macron (Frankreich) blickt auf 75 Prozent Unzufriedenheit, Keir Starmer (Großbritannien) auf 65 Prozent. In Österreich lehnen 58 Prozent der Befragten Christian Stocker ab, in Spanien quittieren 57 Prozent die Arbeit von Pedro Sánchez mit Missmut. Auch Giorgia Meloni in Italien (55 Prozent) und Ulf Kristersson in Schweden (54 Prozent) haben angeblich die Mehrheit verloren. Und mittendrin führt der deutsche Kanzler Friedrich Merz mit einer beispiellosen Ablehnung von 76 Prozent das weltweite Unbeliebtheitsranking an – er rangiert damit sogar noch hinter Donald Trump. <BR /><BR />Sind diese Regierungschefs also alle unfähig? Das wäre als Erklärung zu einfach. Wenn das Misstrauen die gesamte politische Landkarte erfasst, muss wohl mehr dahinterstecken. Das Problem liegt eben nicht nur bei den gewählten Politikern, sondern auch beim Wahlvolk.<BR />Wir haben anscheinend vergessen, was Politik im Kern bedeutet. Das Wort leitet sich von den politiká der alten Griechen ab: den Angelegenheiten der Polis. Politik war in diesem Sinne keine Show, die man vom Sofa aus bewertete, sondern die Pflicht zur aktiven, gleichberechtigten Gestaltung und Organisation des Gemeinwesens.<BR /><BR />Es hat sich aber eine Dienstleistermentalität breitgemacht. Der Staat wird als eine Art All-Inclusive-Resort begriffen. Die Politik hat gefälligst pünktlich und geräuschlos zu liefern: Wohlstand, Sicherheit, Lebensqualität. Passiert das nicht – oder verlangt eine Krise persönliche Opfer –, mutiert der Bürger zum unzufriedenen Kunden. Man reklamiert, man schimpft und verweigert die Mitarbeit.<BR /><BR />Diese Nörgelhaltung bringt die Demokratie in existenzielle Gefahr. Wenn sich das Volk aus der Verantwortung stiehlt, kollabiert die „Herrschaft des Volkes“. Eine Demokratie ohne Demokraten, die bereit sind, Kompromisse mitzutragen und selbst anzupacken, wird zur leeren Hülle.<BR /><BR />Das bittere Ergebnis dieser Verweigerung sehen wir weltweit. Wo der Frust über den vermeintlich „schlechten Service“ der etablierten Politik wächst, schlägt die Stunde der Populisten und demokratiefeindlichen Brandstifter. Sie versprechen die einfache, diktierte Lösung – und die Kunden greifen dankbar zu. Doch wer die Demokratie zum reinen Konsumgut degradiert, wird das am Ende mit dem Verlust der Freiheit bezahlen. Demokratie ist kein Lieferservice. Sie ist Handarbeit.