Dienstag, 04. Januar 2022

Demonstration gegen Berlusconis Kandidatur zum Staatschef in Rom

Rund 100 Personen haben am Dienstagnachmittag in der italienischen Hauptstadt Rom gegen die Kandidatur von Ex-Premierminister Silvio Berlusconi für die Nachfolge des scheidenden Präsidenten Sergio Mattarella als Staatsoberhaupt Italiens demonstriert.

Die Kandidatur von Silvio Berlusconi sorgt für Kritik.
Die Kandidatur von Silvio Berlusconi sorgt für Kritik. - Foto: © ANSA / Giuseppe Lami
Organisiert wurde der Protest vom „Popolo viola“ (lila Volk), einer Mitte-links-Bewegung, die in den vergangenen Jahren wiederholt gegen Berlusconis Engagement in der Politik protestiert hatte.

Die Demonstranten hielten auf dem zentralen Platz Santi Apostoli Transparente hoch, auf denen stand: „Der Präsidentenpalast ist kein Bunga-Bunga-Tummelplatz“, in Anspielung auf die Partys mit Callgirls, die Berlusconi in den vergangenen Jahren viele Justizproblemen bereitet hatten. „Berlusconi als Staatschef: Italien weint, die Welt lacht“, war auf einem weiteren Transparent zu lesen.

„Wir haben einen Traum: Eine Frau als Präsidentin“, betonte der Präsident des „Popolo viola“ Gianfranco Mascia. Er lobte den Vorsitzenden der Demokratischen Partei (PD), Enrico Letta, der kürzlich erklärt hatte, er werde sich nicht auf Gespräche mit den Rechtsparteien über die Präsidentschaftswahl Berlusconis einlassen.

Berlusconi, der wegen seiner Vergangenheit, zu der auch ein Amtsenthebungsverfahren wegen Steuerbetrugs gehört, umstritten ist, wird von seinen Anhängern als „patriotischer Staatsmann“ gepriesen, der die Annäherung zwischen seinem Freund Wladimir Putin und dem Westen erleichtert hat und vom US-Kongress Beifall erhielt. Unterstützt wird seine Kandidatur von seiner Partei Forza Italia, der Lega und der Oppositionskraft „Fratelli d'Italia“.

Draghi wird als Favorit gehandelt

Ministerpräsident Mario Draghi gilt als Favorit für die Nachfolge Mattarellas, der im nächsten Monat in den Ruhestand tritt. Viele Italiener wünschen sich jedoch, dass Draghi an der Spitze seiner Regierung der nationalen Einheit bleibt, um die Umsetzung von Reformen zu überwachen. Dazu gehören der Abbau von Bürokratie und die Beschleunigung des schleppenden Justizsystems.

Draghi sei eine Garantie für die Umsetzung des von der EU finanzierten Wiederaufbauplans, für den Italien 200 Milliarden Euro erhalten hat. Draghi ist seit Februar italienischer Ministerpräsident.

apa