Samstag, 15. Juni 2019

Den Luxus-Renten an den Kragen

Damit der italienische Staat seine Ausgaben wie die „Quote 100“ oder aber das Bürgereinkommen etwas abfedern kann, kürzt er mit Juni die Pensionen, die 100.000 Euro und mehr ausmachen.

Der Staat kürzt Pensionen, die über 100.000 Euro brutto liegen.
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Der Staat kürzt Pensionen, die über 100.000 Euro brutto liegen. - Foto: © shutterstock

„In Südtirol gibt es 734 betroffene Pensionisten“, sagt Marco Zanotelli, NISF/INPS-Generaldirektor der Region Trentino-Südtirol.

Davon seien 225 Über-100.000.-Euro-Pensionisten ehemalige Bedienstete der Privatwirtschaft. „Die restlichen 509 waren im Arbeitsleben Führungskräfte im öffentlichen Dienst“, führt Generaldirektor Zanotelli aus. Deren Pensionen werden seit Monatsbeginn gekürzt und zwar für die kommenden 5 Jahre. Besteuert wird der Betrag über 100.000 Euro brutto (siehe Grafik). Bei einer Jahresbruttorente von 130.000 Euro bedeutet dies eine Kürzung von 4500 Euro.

Insgesamt betrachtet sind die Bezieher dieser Pensionen zu 89 Prozent Männer und zu 11 Prozent Frauen. „Wenn man die Pensionisten, die in der Privatwirtschaft tätig waren, anschaut, fällt auf, dass 96 Prozent der Bezieher Männer sind und nur 4 Prozent Frauen“, so der INPS-Chef. Das habe sich in den vergangenen Jahren geändert. „Hier reden wir von der Generation, die 65 Jahre und älter ist“, erklärt Zanotelli.

Im öffentlichen Dienst herrscht zwar auch ein enormes Ungleichgewicht der Geschlechter unter den Beziehern der stattlichen Pensionen, aber nicht so krass wie in der Privatwirtschaft. „Von diesen Beziehern sind 86 Prozent Männer und 14 Prozent Frauen“, weiß Zanotelli. Und was haben diese Pensionisten in ihrem Berufsleben gemacht? „Wenn wir von der Privatwirtschaft reden, dann waren es Manager, Ingenieure usw. Jene im öffentlichen Dienst waren Führungskräfte in der Verwaltung, im Gesundheitswesen, beim Heer, bei den Ordnungskräften usw.“, so Zanotelli weiter.

Warum spuckt der öffentliche Bereich soviel mehr Pensionisten mit üppiger Altersversorgung aus? „Das hat damit zu tun, dass eine Karriere im öffentlichen Sektor viel linearer verläuft, als in der Privatwirtschaft, wo jemand über ein paar Jahre gut verdient und dann eben wieder nicht“, so Zanotellis Erklärung.

Wie dem auch sei, diese hohen Pensionen sind nur ein verschwindend kleiner Teil aller monatlich vom INPS ausbezahlten Renten. „Wir zahlen in Südtirol monatlich 155.488 Renten aus. Das heißt, dass diese Pensionen mit 0,47 Prozent einen Bruchteil aller ausmachen“, so Marco Zanotelli.

D/lu

stol