Die zentrale Frage, vor der Regierungen und Entwicklungsorganisationen stehen, lautet daher: Wie kann man die Ernährungssicherheit in diesen Gemeinschaften verbessern und den Fortschritt bei der Bekämpfung des Hungers beschleunigen?<BR /><BR /><b>von Esther Ngumbi</b><BR /><BR /><BR /><BR />Besonders wichtig sind dabei vier Prioritäten. Erstens erfordert die Verbesserung der Ernährungssicherheit in ländlichen Gemeinschaften eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität auf bestehenden Anbauflächen – und zwar auf nachhaltige Weise und unter Minimierung der Umweltauswirkungen. Da wachsende Bevölkerungen zunehmend höhere Anforderungen an die landwirtschaftlichen Systeme stellen, birgt eine bloße Ausweitung der Anbauflächen die Gefahr, Entwaldung und Umweltzerstörung zu beschleunigen. Eine höhere Produktion auf den bestehenden Flächen ist daher unerlässlich, um den steigenden Bedarf zu decken, ohne die natürlichen Ökosysteme weiter zu schädigen.<BR />Entscheidend für die Bemühungen zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität sind gesunde Böden. Jede Strategie zur Stärkung der Ernährungssicherheit in ländlichen Gemeinschaften muss daher bei einer einfachen, aber grundlegenden Frage ansetzen: Sind die Böden ausreichend gesund, um eine nachhaltige Steigerung der Pflanzenproduktion zu ermöglichen?<BR /><BR />Leider deuten aktuelle Studien darauf hin, dass der landwirtschaftlichen Produktivität in von Hunger betroffenen Regionen – trotz jahrzehntelanger Bemühungen zur Verbesserung der Bodengesundheit – aufgrund weit verbreiteter Bodendegradation nach wie vor enge Grenzen gesetzt sind. In dem Bewusstsein, dass ein schlechter Bodenzustand die Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit, die Lebensgrundlagen im ländlichen Raum sowie die ökologische Nachhaltigkeit bedroht, verabschiedeten die afrikanischen Staats- und Regierungschefs im Jahr 2024 den auf zehn Jahre angelegten Afrikanischen Aktionsplan für Düngemittel und Bodengesundheit (African Fertilizer and Soil Health Action Plan) sowie das längerfristig angelegte Rahmenwerk für die Bodeninitiative für Afrika (Soil Initiative for Africa Framework).<BR /><BR />Die gute Nachricht ist: Sobald die grundlegenden Fragen zur Bodengesundheit und -qualität beantwortet sind – mithilfe verfügbarer Bodenzustandstests sowie wissenschaftlich fundierter Indikatoren und Bewertungen –, lassen sich Korrekturmaßnahmen ergreifen. Es gibt zahlreiche Prinzipien und Verfahren zur Förderung der Bodengesundheit; hierzu gehören Deckfruchtanbau, Mischkulturen, Fruchtfolge, rotierende Beweidung sowie der Einsatz von organischen Düngemitteln und Biodüngern, aber auch die Minimierung der Bodenbearbeitung, die Maximierung der Bodenbedeckung, die Steigerung der Biodiversität und der möglichst dauerhafte Erhalt lebender Wurzeln im Boden.<BR /><BR />Zweitens müssen Bemühungen zur Verbesserung der Bodengesundheit mit Investitionen in landwirtschaftlich geprägte ländliche Gemeinschaften einhergehen. Lebensmittelproduzenten benötigen Zugang zu verbesserten Saatgutsorten, Biodüngemitteln, Wasser und neuen Technologien wie der Präzisionslandwirtschaft. Zusammen könnten diese Investitionen die landwirtschaftliche Produktivität weiter steigern und die Ernährungssicherheit stärken.<BR /><BR />Drittens sind besser abgesicherte Landrechte entscheidend für die Verbesserung der Ernährungssicherheit in ländlichen Gemeinschaften. Die Sicherheit von Landbesitz- und Landnutzungsrechten gilt seit langem als eine tragende Säule der landwirtschaftlichen Produktion, der Entwicklung und des ländlichen Wandels und bietet Landwirten Anreize, langfristige Investitionen in die Wiederherstellung der Bodengesundheit zu tätigen und andere produktivitätssteigernde Verfahren einzuführen.<BR />Der Zusammenhang zwischen besser abgesicherten Landrechten und landwirtschaftlicher Produktivität ist gut dokumentiert. Besonders wichtig ist er für Frauen, die einen wesentlichen Beitrag zur landwirtschaftlichen Produktion leisten, jedoch in Bezug auf den Grundbesitz und die Sicherheit der Landbesitz- und Landnutzungsrechte nach wie vor benachteiligt sind. Obwohl die Auswirkungen einer größeren Sicherheit derartiger Rechte je nach Region und politischem Kontext variieren, kann die Gewährleistung von Eigentumsrechten für Frauen die Gleichstellung der Geschlechter fördern, die landwirtschaftliche Produktivität steigern, die Lebensgrundlagen im ländlichen Raum sichern und zu dauerhaften Verbesserungen bei der Ernährungssicherheit führen.<BR /><BR />Zu guter Letzt schließlich müssen Regierungen in die Infrastruktur investieren, die ländliche Erzeuger mit den Märkten verbindet, darunter Stromversorgung, Kühltransporte und Straßen. Ein besserer Zugang zu städtischen Märkten kann Landwirten helfen, zusätzliche Einkünfte zu erzielen, indem er es ihnen ermöglicht, einen größeren Teil ihrer Erzeugnisse zu verkaufen. Verbesserte Verkehrsnetze können zudem die Kosten senken, sodass Landwirte eingesparte Mittel in fortschrittliche Technologien reinvestieren können, wodurch Nachernteverluste reduziert werden und zugleich eine Diversifizierung hin zu einer breiteren Palette von Nutzpflanzen mit höherem Betriebsmitteleinsatz möglich wird.<BR />Mit gesunden Böden, Zugang zu landwirtschaftlichen Betriebsmitteln und neuen Technologien wie Präzisionslandwirtschaft und KI, gut abgesicherten Landbesitz- und Landnutzungsrechten und einer modernisierten Infrastruktur könnten landwirtschaftliche Betriebe weltweit ihre Produktivität nachhaltig steigern. Eine höhere Produktivität wiederum würde die Lebensgrundlagen sichern und ländlichen Gemeinschaften helfen, den Weg vom Hunger hin zu einer sicheren und ausreichenden Ernährung ebnen.<BR /><BR />Doch die Zeit drängt. Auch wenn der jüngste Rückgang des weltweiten Hungers ermutigend ist, erfordern Aufrechterhaltung und Ausbau dieser Fortschritte erhebliche Investitionen in jene ländlichen Gemeinschaften mit der hartnäckigsten Ernährungsunsicherheit – in Afrika und anderswo.<h3> Zur Autorin</h3>Esther Ngumbi ist außerordentliche Professorin für Entomologie und Afroamerikanistik an der University of Illinois in Urbana-Champaign.<BR /><BR />Copyright: Project Syndicate, 2026.<BR /><BR /> <a href="https://www.project-syndicate.org/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.project-syndicate.org</a>