<b>von Janos I. Szirtes</b><BR /><BR />US-Präsident Donald Trump begründete seine Zollpläne gegenüber Kanada mit dem Überschuss im Handel. Doch so ganz stimmt das dann doch nicht. Tatsächlich gehen 70 Prozent der kanadischen Exporte in die USA, von wo der Import 50 Prozent beträgt. Allerdings bei dem Volumen von 500 Mrd. Dollar (435,4 Mrd. Euro) beträgt das Defizit nicht, wie Trump behauptet, 100 Milliarden Dollar (87,07 Mrd. Euro), sondern die Hälfte. Hinzu kommt, dass die Direktinvestitionen aus Kanada ein Plus in derselben Höhe haben. Zudem verbucht die Touristikbranche der USA 2025 einen Rückgang von 70 bis 80 Prozent (etwa 6 Mrd. Dollar bzw. 522 Mrd. Euro Verlust), was 25 Prozent der Einnahmen darstellt. Damit ist die Behauptung Trumps, Kanada sei auf Kosten der USA Nutznießer des Handels, falsch. Auch bei Narkotika Einfuhr ist dies der Fall: Es ist weniger als ein Prozent. <BR /><BR />Allerdings geht es Trump nicht nur um Handel oder Narkotika, sondern um politischen Einfluss und – wie immer – um Rohstoffe wie Gas, Öl und Holz. Die Erhebung von Zöllen von 25 Prozent ist für beiden Volkswirtschaften verheerend. Entweder verteuern sich die Waren und Dienstleistungen, oder der Handel wird unterbrochen. <BR /><BR />Für Kanada, mit 40 Millionen Verbrauchern, sind die Auswirkungen allerdings schlimmer. Nicht zufällig pilgerte der kanadische Ministerpräsident unmittelbar nach Bekanntwerden dieses Vorhabens zu Trump, wo man ihm spaßig den Eintritt als 51. US-Bundesstaat empfahl. <BR /><BR />Justin Trudeau war allerdings nicht so wortgewandt wie der finnische Staatspräsident, als ihm Nikita Chruschtschow ebenfalls die Vereinigung, wenngleich mit der Sowjetunion, empfahl. Urho Kaleva Kekkonen meinte nämlich, er sei zu alt, um ein solches Riesenreich zu regieren…<BR /><BR />Es ist bekannt, dass Trump (Republikanische Partei) schrill und grob wie eine Marktfrau auf einem arabischen Suck (Basar) feilscht. Er setzt die Latte sehr hoch, um dann mit einem Bruchteil zufrieden zu sein. Ob er sich einen Gouverneur im 51. Bundesstaat der USA tatsächlich wünscht, weiß er allein. Ein Kompromiss wird gefunden, aber ohne Zweifel wird dies beiden Volkswirtschaften nicht guttun. <BR /><BR />Problematischer ist allerdings, dass nach Russland mit seiner „besonderen Militäroperation“ in der Ukraine (was nichts anders ist als eine Gebietserweiterung), und nach China mit der ständigen Drohung Taiwan und das ganze chinesische Meer als sein Territorium zu betrachten, nun auch Trump mit einer Vergrößerung des Landes aufwartet.<BR /><BR />Damit mischt sich Trump in die inneren Angelegenheiten Kanadas vor den Wahlen am 28. April ein, und erreichte, dass bei den anstehenden Wahlen die Favoriten, die Konservative Partei innerhalb kürzester Frist sich auf der Verliererseite befand. Die angeschlagenen Liberalen gewannen dank Trump die Oberhand, womit Mark Carney Trudeau nachfolgte.<BR /><BR />Mit 89 Prozent sind die Kanadier gegen den Anschluss an die USA. Ihr Antiamerikanismus nahm sprunghaft zu. Die Zuwendung zu Europa geht politisch, militärisch, wirtschaftlich vonstatten. Die Worte von John F. Kennedy (Demokratische Partei), wonach die Beziehung zu Kanada eine geografische Gegebenheit, politische Partnerschaft und ökonomische Zusammenarbeit sei, sind zumindest etwas ins Wanken geraten.