Donnerstag, 14. April 2016

Der Brenner: Seit den Römern ein Symbol für Grenzziehung

Geografisch gesehen ist der 1.370 Meter hohe Brennerpass eine Wasserscheide zwischen der Sill und dem Eisack. Politisch betrachtet ist ein Symbol sowohl für Grenzziehung als auch deren Überwindung – was nicht zuletzt an der jüngsten Grenzmanagement-Debatte einmal mehr offenbar wird.

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Foto: © D

Bereits in der Römerzeit stellte der Brennerpass eine wichtige Verbindung Roms in die Provinz Raetia dar. Die sogenannte „Via Raetia“ führte von Verona und Tridentum (Trient) über den Pass nach Veldidena (Innsbruck).

Auch im Mittelalter verlor er nicht an Bedeutung und blieb einer der meist passierten Alpenpässe. Im 19. Jahrhundert erhielt der Brenner schließlich eine Zugstrecke: Nach dreijähriger Bauzeit wurde die Eisenbahnstrecke 1867 eröffnet.

Seine Rolle als bedeutende Alpentransitroute genießt der Brenner deswegen aber nicht, vielmehr queren jährlich rund zehn Mio. Fahrzeuge den Pass auf der Straße.

Abtrennung von Süd- und Nordtirol

Politisch lässt der Brenner die Wogen aber aus anderen Gründen hochgehen: Aufgrund seiner historischen Bedeutung ist er weit mehr als ein gewöhnlicher Pass. Der Brenner steht etwa für die in den beiden Landesteilen als schmerzlich empfundene Teilung in Nord- und Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg.

Am Ende des Kriegs wurde der Teil südlich des Brenners mit dem Friedensvertrag von St. Germain-en-Laye Italien zugesprochen, und zwar wie dies bereits im sogenannten Londoner Geheimvertrag von 1915 bei einem Kriegseintritt Italiens an der Seite der Entente – also Russlands, Englands und Frankreichs – vereinbart worden war.

Am 10. Oktober 1920 unterzeichnete König Viktor Emmanuel II. schließlich das Annexionsdekret. In den Jahrzehnten darauf folgten Versuche, Südtirol zu italienisieren. Dabei wurde der Brenner zusehends zu einer Schranke für den Personen- und Warenverkehr.

Auch nach der Anerkennung der Erfüllung des Südtirol-Pakets durch Italien und der Streitbeilegung vor der UNO im Juni 1992 blieb der Brenner vorerst als Grenze bestehen.

Überwindung durch europäische Einigung

Erst mit dem Vollzug des Beitritts Österreichs zur Europäischen Union im Jahr 1995 begann die Grenze zu bröckeln. Zunächst durch die neuen Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf regionaler Ebene und mit der Einführung des freien Warenverkehrs.

Vollends fiel die mit dem Friedensvertrag von St. Germain gezogene Brennergrenze unter großer Freude der Bevölkerung aber erst durch das Inkrafttreten des Schengen-Abkommens am 1. April 1998. Kontrollen wurden seitdem nur mehr stichprobenartig hinter den Landesgrenzen durchgeführt.

Die österreichische Ankündigung Anfang des Jahres, wegen der Flüchtlingskrise neuerlich Grenzkontrollen am Brenner einzuführen, stieß sowohl dies- als auch jenseits des Brenners auf unterschiedliche Reaktionen.

Während Befürworter auf die faktische Notwendigkeit verweisen, argumentieren Gegner des Grenzmanagements mit der Symbolhaftigkeit des Brenners und sehen in neuerlichen Grenzkontrollen ein Abgehen von der Idee eines geeinten Europas.

apa

stol