Ich bin wohl nicht die einzige Person, die sich in dieser Woche – gelinde gesagt – über das Urteil der Zentralsektion des Rechnungshofes gewundert hat. Landeshauptmann a. D. Luis Durnwalder soll demnach das Ansehen des Landes Südtirol derart beschädigt haben, dass er 200.000 Euro Strafe zahlen muss. Ein Urteil, das bei vielen Kopfschütteln auslöst.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72091481_quote" /><BR /><BR />Man kann zu Durnwalder stehen, wie man will. Ein Paradebeispiel für einen auf Basisdemokratie setzenden Verwalter war er nie, und mit Kritik konnte er zeitlebens nur schwer umgehen. Er war nachtragend, durchsetzungsstark, stur – Eigenschaften, die ihn zu einem Machtpolitiker alter Schule machten. Aber: Er war für Südtirol über Jahrzehnte eine prägende Figur, ein politischer Fixpunkt, an dem sich Freund und Feind gleichermaßen orientierten. Die Südtiroler haben ihn respektiert, viele haben ihn geliebt – und nicht wenige tun das bis heute.<BR /><BR />Dass der sogenannte Sonderfonds eine höchst eigentümliche Einrichtung war, lässt sich nicht bestreiten. Er war ein Relikt vergangener politischer Zeiten. Aus heutiger Sicht würde man eine solche Praxis wohl nicht mehr akzeptieren. Dennoch haben sämtliche Gerichte in den vergangenen Jahren wiederholt festgestellt: Luis Durnwalder hat sich persönlich nicht bereichert. Kein einziger Euro sei in seine eigene Tasche geflossen.<BR /><BR />Und trotzdem soll er dem Land – laut Rechnungshof – einen immensen Imageschaden zugefügt haben. Da frage ich mich: Sind die Tourismuszahlen in dieser Zeit eingebrochen, weil Südtirols Image so schlecht war? Stand Südtirol auf dem Korruptionsindex ganz oben? Das ist natürlich alles sehr salopp und übertrieben formuliert. Aber ehrlich: Um welchen Imageschaden handelt es sich denn wirklich?<BR /><BR /><embed id="dtext86-72091482_quote" /><BR /><BR />Unter seiner Führung hat sich das Land zu einer der wohlhabendsten und stabilsten Regionen Europas entwickelt. Durnwalder hat das weitergeführt, was Silvius Magnago mit dem Autonomiestatut begonnen hatte: Er hat der Autonomie Substanz verliehen, sie mit Leben erfüllt und eine Erfolgsgeschichte daraus gemacht.<BR /><BR />Ihm nun einen Imageschaden für Südtirol anzulasten, wirkt daher nicht nur überzogen, sondern fast skurril. Wer auf die vergangenen Jahrzehnte blickt, wird kaum bestreiten können, dass Durnwalder – bei aller Kritik – mehr für das Land geleistet hat als viele Politiker vor und nach ihm. Ihn nachträglich zum Sündenbock zu machen, mag juristisch zulässig sein. Politisch und moralisch bleibt es jedoch ein mehr als fragwürdiges Signal.<BR /><BR /> <a href="mailto:arnold.sorg@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">arnold.sorg@athesia.it</a>