Mittwoch, 05. Oktober 2016

Der Müll der anderen

Schon als die ersten Abfälle im neuen Bozner Müllverbrennungsofen verbrannt wurden, hieß es: Der Ofen ist zu groß. Drei Jahre später hat sich diese Kritik bewahrheitet. Der Ofen ist nicht richtig ausgelastet. Nun wird laut darüber nachgedacht, Müll aus Nachbarregionen nach Bozen zu karren und dort zu verbrennen.

Der Bozner Müllofen ist nicht ausgelastet. Nun wird eventuell Müll aus Nachbarregionen importiert. - Foto: DLife
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Der Bozner Müllofen ist nicht ausgelastet. Nun wird eventuell Müll aus Nachbarregionen importiert. - Foto: DLife

Im Video sehen Sie einen Bericht aus Juli 2013. Damals wurde die Müllverbrennunsanlage in Bozen Süd probeweise eröffnet. Und Luis Durnwalder, damals Landeshauptmann, meinte: "Eher haben wir zu klein, als zu groß gebaut."

Zuerst die Fakten: Im Juli 2013 wurde die neue Müllverbrennungsanlage in Bozen Süd in Betrieb genommen. Zuerst lief ein Testlauf, Monate später wurde die Anlage offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Der Restmüll aus ganz Südtirol soll in dieser Anlage verbrannt werden. Und: Sobald alle Bezirke ihren Müll anlieferten, erklärte 2013 der damals zuständige Landesrat Florian Mussner, schöpfe die Anlage 90 Prozent ihrer Kapazität aus.

Doch: Sie tut es nicht. Mit einer Kapazität von 130.000 Restmüll im Jahr ist der Ofen aktuell nicht richtig ausgelastet. Nun wird gegrübelt, wie man den Bozner Ofen in Schuss bringen könnte. Das Thema „Müllimport“ steht dabei ganz oben auf der Liste – und stand diese Woche auch im Landtag auf dem Programm.

Freiheitliche: Kein Müllimport

Dort forderten die Freiheitlichen ein Nein zum Müllimport. In der Bozner Anlage sollte nur Südtiroler Müll verbrannt werden, alles andere habe „gravierende Auswirkungen auf Umwelt, Tourismus und die Bevölkerung“, meinten die Blauen.

„Mit dem Import sendet man ein falsches Signal“, meinte Pius Leitner (Freiheitliche) und Riccardo Dello Sbarba von den Grünen führte aus: „Es besteht die Gefahr, dass wir dann auch Müll aus anderen Regionen annehmen müssen.“ Seine Parteikollegin Brigitte Foppa bezeichnete das Konzept, durch den fehlenden notwendigen Aufbau des Fernwärmenetzes – mit der Abwärme durch die Verbrennung des Mülls sollen Wohnungen geheizt werden – als „unheimliche Misserfolgsgeschichte“. Die Grünen fordern eine „Exitstrategie“. Auch Elena Artioli und die Süd-Tiroler Freiheit sprachen sich gegen den Müllimport aus.

Biete Biomüll, suche Restmüll

Dieter Steger, SVP-Fraktionssprecher im Landtag, sieht die Sachlage anders. Er sagte, eine höhere Auslastung würde den Ausstoß verbessern und, eben, mehr Fernwärme produzieren. Gleichzeitig könne man dadurch auch den Hausbrand verringern, „der für 30 Prozent der Luftbelastung im Talkessel verantwortlich ist“.

Umweltlandesrat Richard Theiner wiederum erklärte, Südtirol bringe derzeit seinen Biomüll nach Cadino, da müsse man zu Gegenleistungen bereit sein. Er plädierte für die Ablehnung des Beschlussantrags der Blauen – was auch geschah: Der Landtag stimmte den Antrag mit 17 Nein und 15 Ja nieder.

Das Land zieht sich in der strittigen Frage, Müll aus anderen Regionen nach Südtirol zu importieren, also zurück. Und: Die Landesregierung, so betonte Theiner, wolle niemandem etwas aufzwingen. Man werde „den Weg nur gehen, wenn die Gemeinde einverstanden ist“.

Caramaschis Rechnung mit dem Müll

Wie die Gemeinde Bozen – oder zumindest der Bürgermeister – die Angelegenheit sieht, hat Renzo Caramaschi schon klar gemacht: In den „Dolomiten“ (Mittwoch-Ausgabe) lässt der Bozner Bürgermeister wissen, dass der Umweltlandesrat Theiner bereits einen Vorschlag unterbreitet habe. Müll in einer Größenordnung von 9.000 bis 20.000 Tonnen soll demnach aus Trient importiert werden. Im Gegenzug soll Bozen eine jährliche Entschädigung von 500.000 bis 800.000 Euro erhalten. Geld, das die Gemeinde dann wiederum für Maßnahmen im Umweltbereich einsetzen werde. Und: Caramaschi besteht auf ein „einseitiges Rücktrittsrecht“ von dieser Abmachung. Sprich: Die Gemeinde Bozen sollte das Abkommen jederzeit einseitig kündigen können.

Mit seiner Forderung nach maximal 20.000 Tonnen importiertem Restmüll weht Caramaschi in der eigenen Regierungskoalition - bekanntlich sind darin auch die Grünen vertreten - eisiger Wind entgegen. Im Koalitionsabkommen war von maximal 5000 zusätzlichen Tonnen die Rede gewesen. 

stol

stol