<b>Von Andreas Schwarz</b><BR /><BR />Der Spionageskandal um den früheren Staatsschutz-Mitarbeiter Egisto Ott und den nach Moskau in die Arme Wladimir Putins geflüchteten Ex-Wirecard-Chef Jan Marsalek zieht immer weitere Kreise: Hat Ott, der jahrelang der österreichischen Justiz und Abwehr auf der Nase herum tanzte, einem Ex-FPÖ-Abgeordneten und engen Vertrauten von Parteichef Herbert Kickl einen Job bei Jan Marsalek, dem mutmaßlichen Spionage-Drahtzieher, angeboten? <BR /><BR />Wie dicht ist die Verstrickung der rechtspopulistischen und Russland-freundlichen Freiheitlichen Partei in die Causa? Und haben Putins Geheimdienste die naive Russlandfreundlichkeit der österreichischen Polit-Spitzen für eine ungehinderte Unterwanderung genutzt?<BR /><BR />Es gibt viel aufzuklären für die Sondereinheit Fama, die sich der atemberaubenden Spionagecausa angenommen hat und die täglich neue Details zutage fördert.<BR /><BR />Etwa zuletzt jene, dass der ehemalige FPÖ-Abgeordnete Hans-Georg Jenewein in Kontakt mit dem Ex-BVT-Beamten und mutmaßlichen Spion und Nachrichtenbeschaffer für Russland, Egisto Ott, gestanden haben soll. Dass dieser Jenewein, bis 2019 eine Art rechte Hand von FPÖ-Chef Kickl, auch in Besitz jener Handy-Daten von ÖVP-Innenministeriumsmitarbeitern gelangt sein soll, die Ott an Russland weiterverkauft haben soll – und die Jenewein gegen die Volkspartei verwenden wollte („Ich will die ganze Partie brennen sein …“ lautet einer der aus FPÖ-Handys ausgewerteten Chats). <BR /><BR />Und dass Ott diesem Jenewein nach dessen Ausscheiden aus der FPÖ 2019 einen Job bei Jan Marsalek angeboten haben soll – dem Gründer des Finanzdienstleisters Wirecard, der 2020 nach dem Auftauchen einer 1,9-Milliarden-Euro-Lücke abtauchte und nach Russland flüchtete.<h3> Es gilt die Unschuldsvermutung</h3>Für alle gilt, wie es die österreichische Rechtslage zu vermerken vorschreibt, die Unschuldsvermutung. Aber für viele der Vorwürfe gibt es sehr viele und dichte Hinweise. Etwa, dass die Flucht Marsaleks, eines der meistgesuchten Männer der Welt, von einem Spitzenbeamten des BVT (Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung), Martin Weiss, von einem kleinen Flughafen nahe Wien aus organisiert worden sein soll.<BR />Dieser Weiss war Abteilungsleiter im inzwischen aufgelösten BVT, Vorgesetzter von Egisto Ott – und hat sich längst nach Dubai abgesetzt. Marsalek gilt als Drahtzieher der österreichischen Spionage-Connection nach Russland, Weiss als sein Vertrauter, Ott war seit 2015 Untergebener von Weiss.<BR />Dieser Ott soll für Russland spioniert und u.a. Personalabfragen für Jan Marsalek durchgeführt haben (über von Russland gesuchte Personen im Westen). Der Polizist wurde 2017 aufgrund von Hinweisen des US-Geheimdienstes im BVT suspendiert und 2018 versetzt, später unter Spionageverdacht auch festgenommen und wieder frei gelassen. Er „revanchierte“ sich offenbar mit Hinweisen, die unter dem damaligen Innenminister Herbert Kickl zu Hausdurchsuchungen im BVT und dessen Zerschlagung und Auflösung führten. Und war bis zu seiner Festnahme Anfang April – nach Hinweisen des britischen Geheimdienstes - anscheinend ungehindert weiter als Spion tätig (Unschuldsvermutung).<BR />Mindestens so brisant ist, dass ein hoher Diplomat im Außenministerium unter der Ägide der von der FPÖ gestellten Ministerin Karin Kneissl – ja, die, die auf ihrer Hochzeit mit Wladimir Putin tanzte – versucht haben soll, im Ministerium einen eigenen Geheimdienst zu installieren; gegen diesen engen Kneissl-Mitarbeiter, der mit Ott im Austausch war und die Nowitschok-Formel an Jan Marsalek weitergegeben haben soll, wird ermittelt. <BR />Brisant auch der von der FPÖ 2016 mit der Putin-Partei „Einiges Russland“ geschlossene „Freundschaftsvertrag“, der FPÖ-Spitzen mehrfach nach Moskau führte – der Vertrag sei ausgelaufen, behauptet die FPÖ heute. Brisant, dass der frühere FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus Kontakte zu Marsalek hatte.<BR />