Die mutmaßliche Wunschliste der Russen an China ist lang. Glaubt man den durchgestochenen diplomatischen Kabeln der USA an ihre Verbündeten, hat Moskau 5 Kategorien von Ausrüstung angefragt: Boden-Luft-Raketen, Drohnen, gepanzerte Fahrzeuge, Transporter und Equipment für die Aufklärung. <BR /><BR /><BR />Da die USA keine Quellen für diese mutmaßlichen Wünsche aus Moskau angegeben haben, kann deren Echtheit nicht unabhängig bestätigt werden. Erwartungsgemäß dementierten sowohl der Kreml als auch die chinesische Führung in Peking, dass es eine solche Anfrage gebe. In Washington bestätigten 2 hohe Mitarbeiter der Regierung, dass entsprechende Informationen an Alliierte in Europa und Asien weitergegeben worden seien. Die veröffentlichten Listen seien aber so nicht ganz akkurat.<BR /><BR />Eindeutig hingegen bleibt nach Ansicht von Analysten die damit verbundene Botschaft, die der nationale Sicherheitsberater des Präsidenten, Jake Sullivan, im US-Fernsehen ganz öffentlich an die Adresse Pekings sandte. „Wir werden sicherstellen, dass weder China noch irgendjemand sonst Russland für seine Verluste kompensieren kann.“<h3> 7-stündiges Gespräch</h3>Hinter den verschlossenen Türen des „Waldorf Astoria“-Hotels in Rom buchstabierte Sullivan am Montag mögliche Konsequenzen bei den Verhandlungen mit dem chinesischen Sicherheitspolitiker Yang Jiechi aus. Das Treffen war bereits vor Überfall der Ukraine vereinbart worden. Das Weiße Haus charakterisierte die 7-stündigen Gespräche, die teils unter 4 Augen stattfanden, als „intensiv“. Es sei eine „substanzielle Diskussion über Russlands Krieg gegen die Ukraine geführt“ worden. Beide Seiten seien übereingekommen, die Kommunikationskanäle offenzuhalten.<BR /><BR />US-Präsident Joe Biden steht angesichts der indifferenten Haltung der Volksrepublik unter massivem Druck des US-Kongresses. Dort glauben nur wenige an die von Peking behauptete „Neutralität“ Chinas im Ukraine-Krieg. Militärische Unterstützung oder Hilfestellungen bei der Umgehung der Sanktionen werden von einflussreichen Senatoren als Unterstützung Russlands in einem Stellvertreterkrieg mit der NATO in der Ukraine verstanden.<h3> „Sekundäre“ Sanktionen drohen</h3>Waffenlieferungen an die russischen Streitkräfte dürften die Rufe nach sogenannten „sekundären Sanktionen“ gegen China, Verbraucher-Boykotts und den Rückzug westlicher Unternehmen lauter werden lassen. Mit weitreichenden Konsequenzen für beide Seiten und die Handelsbeziehungen zum Westen insgesamt, wie Sicherheitsberater Sullivan laut US-Außenministerium seinem chinesischen Gesprächspartner darlegte. <BR /><BR />Chinas Präsident Xi Jinping steht damit vor der Entscheidung, wie „grenzenlos“ die zum Auftakt der Olympischen Winterspiele in einer gemeinsamen Erklärung mit seinem Gast Wladimir Putin bekräftigte „Freundschaft“ tatsächlich sein wird. <BR /><BR />Dass die Invasion der Ukraine ins Stocken geriet, überraschte die Chinesen so sehr wie westliche Beobachter. Vermutet wird, dass die chinesische Unterstützung für Putin eher halbherzig sein wird. Denn ein lang ausgedehnter Konflikt um die Ukraine, der die NATO, aber auch EU und USA eng zusammenschweißt, liegt nach Ansicht von China-Kennern nicht im strategischen Interesse der Führung in Peking.<BR /><BR />Analysten vermuten, dass Peking nun einen Mittelweg sucht zwischen einer Rückkehr zur Sowjet-Sino-Achse des Kalten Kriegs und den eng verflochtenen Wirtschaftsinteressen mit dem Westen. Xi hat die Wahl.