Samstag, 01. Juni 2019

Deutsche Familienministerin appelliert an die Zivilgesellschaft

Die deutsche Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hat mehr gesellschaftliches Engagement gegen Antisemitismus in Deutschland gefordert. Für Ausgrenzung und Hetze gegen Juden dürfe es keinen Platz geben, sagte sie dem Berliner „Tagesspiegel“. Am Samstagnachmittag versammelten sich in der Hauptstadt zu einer Al-Kuds-Kundgebung und Gegendemonstrationen jeweils hunderte Menschen.

Die deutsche Familienministerin ruft die Zivilbevölkerung zu Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft auf.
Die deutsche Familienministerin ruft die Zivilbevölkerung zu Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft auf. - Foto: © shutterstock

Der internationale Al-Kuds-Tag war Ende der 70er-Jahre vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ins Leben gerufen worden, um gegen die israelische Besatzung der Palästinensergebiete zu protestieren. Al Kuds ist der arabische Begriff für die Stadt Jerusalem.

Im Vorfeld des diesjährigen Al-Kuds-Tages hatte Berlins Antisemitismusbeauftragter Lorenz Korgel zur Teilnahme an Gegendemonstrationen aufgerufen, da in den vergangenen Jahren immer wieder antisemitische Botschaften und Hass auf Israel Bestandteil des Al-Kuds-Marsches in Berlin gewesen seien.

Mögliche Gefährdung durch das Tragen von religiösen Symbolen

Zuletzt hatte zudem der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, eine Debatte über das Tragen der Kippa in Deutschland mit der Äußerung ausgelöst, er könne Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen.

Zentralratspräsident Josef Schuster pflichtete Klein bei, dass Juden sich in einigen Großstädten tatsächlich potenziell einer Gefährdung aussetzten, wenn sie als Juden zu erkennen seien. Israels Präsident Reuven Rivlin reagierte hingegen entsetzt auf Kleins Warnung und kritisierte eine „Kapitulation vor dem Antisemitismus“.

Kein Platz für Antisemitismus

Giffey beklagte im „Tagesspiegel“ vom Samstag, Vorfälle der vergangenen Wochen, Monate und Jahre hätten gezeigt, dass Antisemitismus „ein ernstes Problem unserer Gesellschaft ist“, das nicht akzeptiert werden dürfe.
„Wir alle müssen antisemitischer Diskriminierung entgegentreten, laut werden gegen Antisemitismus und Jüdinnen und Juden zeigen: Wir sind da für euch, wir unterstützen euch“, forderte die frühere Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln. Der Kampf gegen Antisemitismus lasse sich nur gewinnen, wenn die Zivilgesellschaft vor Ort gestärkt werde.

Offiziell fand die Al-Kuds-Kundgebung in Berlin unter dem Motto „Für einen gerechten Frieden in Palästina“ statt. Nach Angaben eines AFP-Reporters versammelten sich am Samstagnachmittag einige hundert Menschen. Ein breites Bündnis unter anderem aus Gewerkschaften und der Jüdischen Gemeinde Berlin hatte zu Gegenkundgebungen aufgerufen, zu denen ebenfalls hunderte Menschen zusammenkamen. Wie ein Polizeisprecher am Samstagnachmittag sagte, verliefen die Veranstaltungen friedlich.

apa/afp

stol