Sonntag, 03. Januar 2021

Deutschland und Großbritannien vor Verlängerung bzw. Verschärfung des Lockdowns

Vor den Bund-Länder-Beratungen über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie zeichnet sich ein breiter Konsens für eine Verlängerung des harten Lockdowns ab. Ministerpräsidenten verschiedener Parteien machten am Wochenende deutlich, dass sie keine Grundlage für größere Lockerungen sehen. Umstritten sind einem Bericht zufolge noch die Dauer der Verlängerung und der Umgang mit Schulen und Kitas. Großbritannien will den geltenden Lockdown derweil sogar verschärfen.

Viel Hoffnung wird derzeit in die begonnenen Impfungen gesetzt.
Viel Hoffnung wird derzeit in die begonnenen Impfungen gesetzt. - Foto: © APA/afp / JACK GUEZ
Der Mitte Dezember in Kraft getretene harte Lockdown, der unter anderem die Schließung weiter Teile des Einzelhandels und das Aussetzen des Präsenzunterrichts in Schulen umfasst, gilt noch bis zum 10. Jänner. Bund und Länder beraten am Dienstag über das weitere Vorgehen. Die Chefs der Staatskanzleien hätten sich in einer Telefonschaltung am Samstag bereits grundsätzlich auf eine Verlängerung verständigt, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS).

Wie lange der Lockdown fortgesetzt wird, ist offen. Laut „FAS“ wollen vor allem besonders stark betroffene Länder wie Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen bis zum 31. Jänner verlängern. Der Bund unterstütze dies. Bremen, Hamburg und Hessen wollten hingegen zunächst nur um zwei Wochen verlängern. Auch im Hinblick auf die Öffnung von Schulen und Kindergärten herrsche keine Einigkeit.

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Sonntagmorgen mitteilte, meldeten die Gesundheitsämter am Vortag 10.315 weitere Ansteckungsfälle. Zudem wurden 312 Tote gezählt. Da am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten übermitteln, liegen die Fallzahlen des RKI sonntags und montags in der Regel niedriger als an anderen Wochentagen. Die Sieben-Tage-Inzidenz betrug laut RKI am Sonntag 139,6. Bei dem Wert handelt es sich um die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in diesem Zeitraum. Ziel der Bundesregierung ist es, die Inzidenz unter 50 zu drücken.

Großbritannien denkt an schärfere Verbote

Großbritannien denkt derweil hingegen sogar über eine Verschärfung des bestehenden Lockdowns nach. „Vor uns liegt eine harte Zeit“, äußerte dazu Premierminister Boris Johnson. Er rechne allerdings mit einer Verbesserung im Frühling.

In Großbritannien grassiert eine Mutation des Coronavirus, die als deutlich ansteckender gilt. Die Infektionszahlen sind auf einem Rekordhoch und nehmen weiter zu. Allein am Samstag meldeten die Behörden 57.725 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Insgesamt wurden rund 2,6 Millionen Infektions- und über 74.000 Todesfälle verzeichnet.

In weiten Teilen des Königreiches gilt bereits die höchste der vier Stufen der Beschränkung des öffentlichen Lebens. Auf die Frage, ob dies möglicherweise nicht genügt, um das Virus unter Kontrolle zu bekommen, sagte Johnson, es könne leider sein, dass die Beschränkungen verschärft werden müssten. „Es gibt offensichtlich eine Reihe härterer Maßnahmen, die wir erwägen müssen. ... Ich werde jetzt nicht darüber spekulieren, wie diese aussehen könnten.“ Johnson bestimmt die Corona-Maßnahmen in England, während in Wales, Schottland und Nordirland die dortigen Regierungen verantwortlich sind.

Johnson zufolge werden am Montag die ersten 530.000 Dosen des jüngst zugelassenen Astrazeneca-Impfstoffes bereitgestellt. Das Vakzin von Biontech wird bereits seit einiger Zeit angewandt. Er hoffe, dass in den ersten drei Monaten zig Millionen Menschen geimpft werde könnten, sagte Johnson.

Zugleich forderte der Premierminister die Eltern auf, ihre Kinder nach den Weihnachtsferien ab Montag wieder zum Unterricht zu schicken, sofern dies die örtlichen Behörden erlauben. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Schulen sicher sind und dass Bildung Vorrang hat.“ Über den Umgang mit dem Unterricht in den Schulen ist ein Streit entbrannt. So warnen Gewerkschaften und etliche örtliche Behörden vor einer Wiederöffnung der Schulen und drohen damit, sich der Anordnung der Regierung zu widersetzen. Andere argumentieren, dass auch die Schließung der Schulen negative Auswirkungen für die Schüler und Schülerinnen haben könnte.

apa/afp/reuters