Dies zeigt auch die Entwicklung von AiDiA Startup Pitch. Die Initiative wurde im Jahr 2020 in Hamburg ins Leben gerufen, um Unternehmensgründer aus der Community mit Investoren im deutschsprachigen Raum zusammenzubringen, nach dem Vorbild der bekannten Fernsehsendung „Höhle der Löwen“, in der Unternehmensgründer um Investments werben. Über 100 Start-ups seien in den vergangenen sechs Jahren begleitet worden, die Events werden jährlich von 500 bis 700 Personen besucht und Programme mit namhaften Konzernen wie Google und Snipes werden angeboten.<BR /><BR />Weil sich viele der vorgestellten Innovationen auf die Herkunftsländer der Start-ups bezogen - etwa Lösungen zum sicheren Geldtransfer - ergab sich zwangsläufig eine Ausweitung auf Afrika. Mittlerweile betreue das Unternehmen Projekte in Ghana, Kenia und Tansania. Diesbezüglich sei man aber auch selektiv. „Es hat keinen Sinn, planlos jedes Land anzusteuern, denn es braucht die entsprechenden Netzwerke von uns vor Ort, um sinnvoll unterstützen zu können“, betont Amoakoh die Bedeutung spezifischer Kontakte.<BR /><BR />Menschen, die von einem Land ins andere umsiedeln, „haben in beiden Staaten die Kraft, Wirtschaftsbeziehungen herzustellen“, betont die Expertin mit ghanesischen Wurzeln. „Das könnte man auch in die österreichische Afrika-Strategie aufnehmen“, so Amoakoh. Auch in afrikanischen Ländern gibt es diesbezüglich eine wachsende Bereitschaft. So hätten einige Staaten schon eigene Behörden für Diaspora-Angehörige eingerichtet, und auch die Afrikanische Union habe die Diaspora als „sechste afrikanische Region“ anerkannt. Schätzungen zufolge zählt sie rund 200 Millionen Menschen. In Europa ist sie vor allem in Frankreich mit zehn Millionen Menschen stark vertreten, in Österreich wird die Community auf 40.000 geschätzt.<BR /><BR />Die Ökonomin wünscht sich eine stärkere Institutionalisierung der schon jetzt durchaus lebhaften Diaspora-Szene in den europäischen Ländern. „Es geht darum, dass sich die Organisation verstetigt und ein fester Bestandteil der Gesellschaft wird“, sagt Amoakoh, die zum Austausch mit der österreichischen Diaspora nach Wien gekommen war.<BR /><BR />Auch wirtschaftlich sei die Diaspora ein wichtiger Faktor für die Herkunftsländer. Schließlich hätten die Geldtransfers ihrer Angehörigen („Remittances“) einen größeren Umfang als die offizielle Entwicklungshilfe. Ein weiterer Grund, dass man „Afrika nicht nur entwicklungspolitisch begreift“. Amoakoh pocht auf eine Beziehung auf Augenhöhe zwischen den europäischen und afrikanischen Staaten. Auch dürfe es nicht zu einer „Instrumentalisierung“ der Diaspora kommen. Diese wäre etwa gegeben, wenn man einen Angehörigen der Diaspora nur aufgrund seiner Herkunft zu einem Afrika-Beauftragten machen würde.<BR /><BR />AiDiA Startup Pitch möchte mit Erfolgsgeschichten auch zum Abbau von Vorurteilen und Hürden beitragen. „Studien belegen, dass es Menschen mit Migrationsbiografie schwieriger haben, Förderungen zu bekommen“, so Amoakoh. „Es gibt strukturelle Barrieren.“ Doch hätten mittlerweile sehr viele Start-ups zumindest einen Gründer mit Migrationsbiografie. Amoakoh vertritt die Organisation in Vollzeit, die neben weiteren Hauptamtlichen auch bis zu 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt. Man finanziere sich unter anderem durch Fördergelder und Unternehmenskooperationen, Anteile an den Start-ups übernehme man nicht. Man bringe sie mit Investoren zusammen oder vermittle spezifische Experten, etwa im Bereich Marketing. Dazu dienten auch monatliche Treffen in Hamburg. Doch es gebe auch schon eine Gruppe von Gründerinnen und Gründern in Wien.