Obwohl die letzten Monate stressig waren, zeigt sich die Regierungschefin gelassen und gut gelaunt. „Die Arbeit macht mir Spaß“, sagte sie in einem „Sommerinterview“ am Sonntagabend im Fernsehen. Deshalb wolle sie auch bei der Bundestagswahl im Herbst nächsten Jahres wieder antreten.In dem Interview freute sich Merkel zugleich „über die Unterstützung, die der Kurs der Bundesregierung – und auch mein Kurs – insgesamt bekommt“. Zufrieden kann sie in der Tat auf die neuesten Umfragen blicken. Beim „Politbarometer“ des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) vom vergangenen Freitag hatten 63 Prozent der Deutschen ihr bescheinigt, dass sie in der Euro-Krise ihre Arbeit „eher gut“ mache – auch wenn eine Mehrheit sich mehr Erklärungen für ihre Politik wünschte.Gut eine Woche zuvor hatte Merkel bereits im „DeutschlandTrend“ des Ersten Fernsehprogramms Best-Noten erreicht. Da waren 66 Prozent der Deutschen mit ihr zufrieden, die höchste Zustimmung seit 2009. Und in den Umfragen beider Fernsehkanäle hatten sich diese Sympathiewerte gegenüber dem Vormonat noch deutlich verbessert."Gestalten ist schöner als in der Opposition zu sein“Seit November 2005 ist Merkel deutsche Kanzlerin, viel länger – seit April 2000 – steht sie als Parteichefin an der Spitze der Christdemokraten. Amtsmüde ist die 57-Jährige dennoch nicht. Und in der eigenen Partei macht ihr niemand die Spitzenposition streitig.Deshalb kann sich Merkel im Alleingang zur Spitzenkandidatin der CDU für die Bundestagswahl 2013 ausrufen. Als sie dies im November letzten Jahres schon einmal andeutete, hatte sie hinzugefügt: „Und wenn man mit Freude Wahlkämpfe macht, dann ist es keine Überraschung, wenn man auch sagt, dass Gestalten schöner ist als in der Opposition zu sein.“Bei den letzten Landtagswahlen war allerdings ihre CDU fast immer auf die Oppositionsbänke verwiesen worden. Die Partei hatte von dem Amtsbonus der Kanzlerin nicht profitiert. Bundesweit stehen die CDU und die kleine bayerische Schwesterpartei CSU etwas besser da.Die Unions-Parteien liegen in den Wahl-Umfragen deutlich vor der SPD, der stärksten Oppositions-Partei. Zudem wäre Merkel der klare Sieger gegenüber den möglichen Spitzenkandidaten der SPD, wenn die Deutschen den Kanzler direkt wählen würde. Sie läge vor jedem aus dem sozialdemokratischen Trio mit Parteichef Sigmar Gabriel, Bundestags-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück.Da aber in Deutschland der Bundestag den Regierungschef wählt, ist ungewiss, ob Merkel im nächsten Jahr zum dritten Mal zur Kanzlerin gewählt wird. Ihr kleiner liberaler Koalitionspartner ist in der Wählergunst dramatisch eingebrochen. Die SPD setzt zusammen mit den Grünen auf eine eigene Mehrheit.Merkel weiß schon, wie sie am Wahltag punkten will. Sie will in einem Jahr hervorheben, dass es den Menschen in Deutschland besser gehe als bei der letzten Wahl 2009. „Und das, finde ich, ist schon mal eine ganz wichtige Sache“, betonte sie in dem ZDF-„Sommerinterview“. Mehr Menschen hätten Arbeit, müssten weniger Steuern bezahlen. Auch seien Projekte wie die Aussetzung der Wehrpflicht gelungen.„Auf Wohlstandskurs bleiben“, heißt ihre Devise. Zugleich will die Kanzlerin über ihre Europapolitik abstimmen lassen: „Mein und unser Europa der christlich-liberalen Koalition wird eine Stabilitätsunion sein, die sich weltweit auch behaupten kann, damit wir Arbeitsplätze haben, damit es den Menschen in unserem Land gut geht.“dpa