Wladimir Putin hat sich in einigen Kreisen – auch im Westen – den Ruf des Meisterstrategen erarbeitet. Der Ukraine-Krieg könnte diesen Ruf zunichtemachen, denn für Russlands Zukunft verheißt der Krieg nichts Gutes. <BR /><BR /><BR />Wladimir Putin genießt noch vonseiten Pekings eine gewisse Schonung, weil er Europa schädigt. Sein dünn besiedeltes Land mit einem großen asiatischen Teil wollen die Chinesen aber durchaus eines Tages verspeisen. Dies kann relativ rasch gehen, aber auch ein Jahrhundertprojekt sein, denn zweierlei hatten die Herrscher in Peking immer schon: das Denken in langen Dimensionen und viel Zeit.<BR /><BR />Ein wesentlicher Meilenstein für den Niedergang des riesigen, rohstoffreichen, bevölkerungsarmen und mehrheitlich von asiatischen Völkern, die sich von Moskau kolonisiert fühlen, bewohnten Russland dürfte unlängst die Revolte der nach Richard Wagner benannten Söldnertruppe um den einstigen Chefcaterer Putins, Jewgeni Prigoschin, gewesen sein. Sie führte zwar nicht unmittelbar zum Sturz des Diktators und schon gar nicht zu einem Wechsel des politischen Systems. Beides war auch nie die Absicht. <h3> Wenn sich Machtgruppen misstrauen</h3><BR />Die chaotischen Vorgänge warfen aber ein eindeutiges Licht auf ein Land, das – wie Oberitalien im späten Mittelalter und in der Renaissance – von Condottieres mit ihren Privatarmeen bevölkert wird. Die in Westafrika nach wie vor mächtige Wagner-Gruppe ist nur eine von ihnen, weitere gehören zum staatlichen Energieriesen Gazprom, zu den verschiedenen miteinander rivalisierenden Geheimdiensten, zu einander misstrauisch belauernden Oligarchen oder Regionalfürsten wie dem blutrünstigen tschetschenischen Quisling in Moskauer Diensten Ramsan Kadyrow.<BR /><BR /><BR />Selbst die offizielle, sehr inkompetente Armee ist bestenfalls ein Konglomerat einander misstrauender Machtgruppen. Selbstverständlich ist Russland, konventionell hochgerüstet und außerdem Atommacht, nach wie vor oder gerade jetzt eine echte Gefahr. Sein Niedergang dürfte sich aber ungeachtet der westlichen Politik fortsetzen, mit unabsehbaren Folgen. Das wissen zumindest die Chinesen.<BR />