<b>STOL: Wie weit sind die Planungen für die Internationale Schule fortgeschritten?</b><BR />Gustav Tschenett: Geplant ist ein internationaler Klassenzug. Unterrichtssprache wird hauptsächlich Englisch sein, Deutsch und Italienisch werden aber ebenfalls unterrichtet. Wir bewerben uns im Rahmen des Angebots der International Baccalaureate Organisation (IBO), einer Non-Profit-Organisation mit Sitz in Genf. Diese bietet weltweit an über 4500 öffentlichen und privaten Schulen internationale Reifegrade an. Die Planung ist fortgeschritten: Wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen sind und das Okay aus Rom kommt, können nächste Schritte eingeleitet werden. Schulen, die potenziell in Frage kommen, werden informiert. <BR /><BR /><b>STOL: Welche wären das?</b><BR />Tschenett: Wir haben Interessensbekundungen von Schulen bekommen: Alle Formen von Gymnasien, Schulen in Meran, Bozen, Brixen und Bruneck haben sich beworben. Das Interesse und die Voraussetzungen sind gegeben. Der nächste Schritt ist, den Standort zu bestimmen. Diese Schule wird dann in Begleitung der Bildungsdirektion das Genehmigungsverfahren in die Wege leiten. Sind alle Auflagen erfüllt, kann der erste Oberstufen-Zug starten. Im Herbst 2024 soll es losgehen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57479822_quote" /><BR /><BR /><b>STOL: Wie kann man sich das vorstellen?</b><BR />Tschenett: Man bewirbt sich bei der Organisation in Genf. Diese überprüft, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind. Am Ende vergibt diese Organisation den Titel an die Absolventen. Parallel kann man im internationalen Zweig auch das staatliche Diplom erwerben. Dieses Modell gibt es in Italien schon: Das Unterrichtsministerium in Rom stellt dabei zusätzlich ein Maturadiplom aus.<BR /><BR /><b>STOL: Was heißt das für die Lehrer?</b><BR />Tschenett: Das Lehrpersonal untersteht der Schule und damit dem Schulamt. Lehrer, die am internationalen Zug unterrichten wollen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Fachlehrer müssen Englischkenntnisse auf C1-Niveau haben, denn Unterrichtssprache ist Englisch. Deutsch und Italienisch gibt es als Fächer ebenfalls. Wie viele Wochenstunden es jeweils genau sein werden, ist noch zu klären. <BR /><BR /><b>STOL: Bildungslandesrat Philipp Achammer rechnet damit, dass das Interesse am internationalen Zug groß sein dürfte. Worauf sind Sie eingerichtet?</b><BR />Tschenett: Beginnen werden wir mit einem Klassenzug. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Angebot erweitert wird, je nachdem, wie stark es nachgefragt wird. Der Standort wird dabei eine Rolle spielen. Den müssen wir erst festlegen. Wir haben uns die Schulen in Nordtirol und Salzburg angesehen. Dort können 2 Züge problemlos angeboten werden. Wir starten mit einer Klasse, das ist realistisch. Alles Weitere sind politische Entscheidungen.<BR /><BR /><b>STOL: Die internationale Schule war schon lange ein <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/internationale-schule-staerkt-suedtirol-als-wirtschafts-und-lebensstandort" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wunsch der Wirtschaft.</a> Wie sehen Sie das Projekt?</b><BR />Tschenett: Es war nicht nur ein Wunsch der Wirtschaft. Das wird vielleicht so wahrgenommen. Aber es hat eine Reihe von Initiativen in diese Richtung gegeben: aus dem bildungspolitischen Bereich, auch aus der Gesellschaft und der Wirtschaft. Ein zusätzliches Angebot ist eine Bereicherung.<BR /><BR /><b>STOL: An wen richtet sich das Angebot?</b><BR />Tschenett: Die Unterrichtssprache ist Englisch. Grundkenntnisse müssen die Schüler also mitbringen. Wenn mehr Anwärter als Plätze sein sollten, wird wohl nach Kriterien entschieden, wer Zugang bekommt. Aber grundsätzlich sind keine Zugangsbeschränkungen vorgesehen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57479826_quote" /><BR /><BR /><b>STOL: Man hofft, Südtirol durch dieses Angebot für internationale Fachkräfte attraktiver zu machen.</b><BR />Tschenett: Wirtschaft, Sanität, Universität: Alle brauchen Fachkräfte aus dem Ausland. Die Anschlussfähigkeit der Bildung spielt eine Rolle. Dieses zusätzliche Angebot richtet sich nicht ausschließlich an diese Kategorien; es steht allen Interessierten offen, die in Südtirol diesen Weg gehen möchten.<BR /><BR /><b>STOL: Was bedeutet das für die Lehrerbildung? Wird es eine eigene Ausbildung für die Lehrer der internationalen Schule geben?</b><BR />Tschenett: Es ist keine eigene Wettbewerbsklasse vorgesehen. Wir haben ja bereits eine Ausbildungsschiene für CLIL-Lehrpersonen, die ebenfalls Fremdsprachenkenntnisse auf C1-Niveau nachweisen müssen. Solche unterrichten jetzt schon Physik oder andere Sachfächer in Englisch oder in anderen Fremdsprachen. Damit hat man in Südtirol Vorarbeit geleistet.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57479828_quote" /><BR /><BR /><b>STOL: Inklusion ist ein wichtiges Thema in der Schule: Wie passt ein solches Eliteprojekt dazu?</b><BR />Tschenett: „Eliteprojekt“ würde ich dazu nicht sagen. Es gibt in unserer Schullandschaft schon lange Angebote in unterschiedlichen Bereichen: etwa die Schwerpunkte Musik oder Sport, aber auch berufsbildende Schulen im Bereich Mechatronik. Jetzt haben wir ein Angebot, bei dem die Ausbildung in englischer Sprache angeboten wird. Das hat nichts mit Elite zu tun. <BR /><BR /><b>STOL: Die jüngsten Lernstandserhebungen zu den Deutschkenntnissen stimmen nachdenklich: <a href="https://www.stol.it/artikel/panorama/panorama/suedtirols-schueler-englisch-hui-mathe-pfui-das-deutsch-wird-schlechter" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Ein Drittel der teilnehmenden Schüler hat die Mindestanforderungen nicht erreicht.</a> Müsste nicht an dieser Stelle jetzt mehr getan werden – gerade in Südtirol?</b><BR />Tschenett: Es ist eine Tatsache, dass die Ergebnisse der letzten Ivalsi-Tests rückläufig sind. Allerdings muss man diese vor dem Hintergrund der Corona-Jahre sehen: Das war eine besonderes Situation. Wir sollten diese Ergebnisse nicht überbewerten und Alarm schlagen, sondern die langfristige Perspektive sehen. Es gilt, gut zu beobachten und zu sehen, wo man Schüler besser unterstützen kann. Sprachen-Lernen ist auf jeden Fall positiv: Ich glaube nicht, dass die internationale Schule ein falsches Signal setzt.<BR /><BR /><b>STOL: Der Unterricht in der Muttersprache ist eine Säule der Autonomie.</b><BR />Tschenett: Es geht um einen Klassenzug. Es ist eine freie Wahl. Die Wahl und die Sprache in der Schule sind garantiert. Es ist niemand gezwungen, an einem solchen Klassenzug teilzunehmen. Jeder hat die Möglichkeit, seine Bildung an einer deutschen, italienischen oder ladinischen Schule zu erwerben. Südtirol hat eine besondere Vergangenheit. Wir haben aber bisher keine sorgenvollen Rückmeldungen bekommen.<BR />