<BR />Am 16. Februar 2024 gaben die russischen Behörden den Tod des inhaftierten Oppositionspolitikers Alexej Nawalny bekannt. Er sei nach einem Hofgang zusammengebrochen und eines natürlichen Todes gestorben, lautete die offizielle Erklärung.<BR /><BR />Neue Untersuchungen aus fünf europäischen Ländern widersprechen dem. In Proben des Leichnams wurde das Nervengift Epibatidin nachgewiesen – ein hochwirksames Toxin, das in südamerikanischen Pfeilgift-Fröschen vorkommt. In einer gemeinsamen Erklärung der Regierungen von Vereinigtem Königreich, Schweden, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden heißt es: „Es steht fest, dass Alexej Nawalny mit einem tödlichen Toxin vergiftet wurde.“ <BR /><BR />Der Kreml wies die Anschuldigungen gestern zurück. Fest steht jedoch: Die Liste der Kremlkritiker, die unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen oder schwer verletzt wurden, ist lang, und immer wieder liefern Untersuchungen Hinweise auf den gezielten Griff zum Giftschrank.<h3> Der Fall Nawalny</h3>Nawalny überlebte bereits 2020 einen mutmaßlichen Giftanschlag. Auf einem Flug von Tomsk nach Moskau wurde ihm zunächst unwohl, ehe er in Ohnmacht fiel. Er wurde anschließend in die Charité in Berlin verlegt, wo er erfolgreich behandelt wurde. <BR /><BR />Spätere Analysen der Bundeswehr bestätigten, dass Nawalny mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet worden war. Das Gift soll offenbar an der Innenseite seiner Unterhose angebracht worden sein.<h3> Der Fall Skripal </h3>Auch der russische Doppelagent Sergei Skripal und seine Tochter wurden 2018 im englischen Salisbury mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet. Die beiden wurden bewusstlos auf einer Parkbank gefunden und überlebten schwer verletzt. Vier Monate später starb jedoch eine Britin an dem Gift, nachdem ihr Partner ihr eine Parfümflasche geschenkt hatte, in der das Nervengift offenbar transportiert wurde.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276977_image" /></div> <BR />Eine Untersuchung der britischen Regierung kam zu dem Schluss, dass Präsident Wladimir Putin den Anschlag auf Skripal angeordnet haben soll. Das Gift wurde offenbar von einem russischen Geheimagenten auf den Türgriff seines Hauses aufgetragen. Heute leben Skripal und seine Tochter vermutlich unter neuer Identität im Ausland.<h3> Der Fall Kara-Mursa </h3>Der Oppositionspolitiker Wladimir Kara-Mursa, enger Mitstreiter des ermordeten Reformpolitikers Boris Nemtsov, überlebte gleich zwei mutmaßliche Giftanschläge innerhalb von nur 18 Monaten. Das erste Mal wurde er im Mai 2015, nur wenige Monate nach Nemtsovs Mord, vergiftet, das zweite Mal im Februar 2017. Beide Male musste Kara-Mursa wegen akutem Organversagen ins Krankenhaus eingeliefert werden.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276980_image" /></div> <BR />Untersuchungen im Ausland ergaben Hinweise auf Schwermetalle im Körper, russische Ärzte bestritten wiederum die Vergiftung. Nach Jahren politischer Verfolgung und russischer Haft lebt er seit 2024 im Exil, weiterhin politisch aktiv im Ausland. <h3> Der Fall Litwinenko </h3>Der ehemalige FSB-Offizier Alexander Litwinenko wurde 2006 in einem Londoner Restaurant mit hochradioaktivem Polonium-210 vergiftet, vermutlich über seinen Tee. Litwinenko kam dadurch in direkten Kontakt mit dem Gift und starb weniger als 20 Tage später an den Folgen einer Strahlenkrankheit. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276983_image" /></div> <BR />Untersuchungen britischer Behörden bestätigten die Verwendung von Polonium als tödliches Gift und zogen Verbindungen zu russischen Sicherheitskreisen.<BR /><BR />Neben diesen vier beschriebenen Persönlichkeiten gibt es viele weitere Fälle mit Hinweisen auf Vergiftungen. Diese Häufung soll besonders den Kritikern im Ausland deutlich machen: Keiner ist vor Putin sicher.