In den Großstädten Mailand, Neapel, Turin und Bologna scheiterten die Bürgermeister-Kandidaten seiner Mitte-Rechts-Allianz. Besonders schwer wiegt die Niederlage in der Finanzmetropole Mailand, die 20 Jahre lang Hochburg der Konservativen war. Nachfolgend einige Fragen und Antworten der Nachrichtenagentur Reuters zu den Konsequenzen aus der Wahl.WIRD DIE REGIERUNG STÜRZEN?Wahrscheinlich nicht sofort. Entscheidend für das Schicksal der Regierung ist das Verhalten des Koalitionspartners Lega Nord, die bei der Wahl aber ebenfalls schlecht abschnitt. Lega-Chef Umberto Bossi hat verkündet, sich von Berlusconi nicht mit in die Tiefe ziehen zu lassen. Sollte die regionalistische und fremdenfeindliche Partei die Koalition verlassen, muss das nicht zu vorgezogenen Wahlen führen. Angesichts der Italien drohenden Folgen der Schuldenkrise in der Eurozone dürfte sich Präsident Giorgio Napolitano eher um eine breiter gefasste Koalitionsregierung bemühen statt Neuwahlen anzusetzen. Die Legislaturperiode läuft turnusgemäß bis 2013.WIRD BERLUSCONI VON SEINER PARTEI GESTÜRZT?Diese vor einigen Monaten noch undenkbare Variante wird zunehmend lauter diskutiert. Sie ist aber nur schwer zu verwirklichen, da die Partei Volk der Freiheit ein Geschöpf ihres Gründers ohne gewachsene Strukturen und innerparteiliche Demokratie ist. Berlusconi ist in diverse Sex-Affären und Korruptionsprozesse verwickelt, die Chefs anderer Parteien politisch längst das Genick gebrochen hätten. Das Führungspersonal der Partei hofft möglicherweise auf einen freiwilligen Rücktritt des 74-Jährigen, doch hat keiner der potenziellen Rivalen das Zeug, ihn zu stürzen. Als mögliche Nachfolger gelten Finanzminister Giulio Tremonti und Justizminister Angelino Alfano.WAS BEDEUTET DER WAHLAUSGANG FÜR DIE WIRTSCHAFT?Berlusconi könnte versucht sein, das strenge Sparprogramm Tremontis zu unterlaufen, um seine Beliebtheit zu steigern. Italiens Wirtschaft lahmt seit langem und wuchs zwischen 2000 und 2010 im Jahresdurchschnitt um 0,2 Prozent. Nach der Herabstufung durch Standard & Poor's auf negativ bereitet die Regierungen Etatkürzungen von 40 Milliarden Euro vor. Schon in der Vergangenheit zeigte Berlusconi wenig Neigung, sich unpopulären Maßnahmen wie der Liberalisierung des Arbeitsmarktes zu widmen. Nach der Wahlniederlage dürfte seine Reformlust noch mehr erlahmen. Gavin Jones