<b>von Martin Tinkhauser</b><b><BR /><BR /><BR />Was überwiegt nach 10 Jahren als Bürgermeister: das weinende oder das lachende Auge?</b><BR />Christian Gartner: Wir haben aktuell ein sehr gutes Team in der Gemeindeführung. Daher sollte man diesem Team jetzt die Chance zu geben, etwas für die Gemeinde zu bewegen. Dazu kommt, dass auch in meinem Unternehmen ein Generationenwechsel ansteht und die Zeit für solche Schritte einfach reif ist. Nach dem 4. Mai werde ich dann schauen, ob ich Entzugserscheinungen habe. (lacht)<BR /><BR /><b>Sie mussten 10 Jahre lang Ihre Rolle als Unternehmer und Bürgermeister unter einen Hut bringen. War das schwierig?</b><BR />Gartner: Es ist ein Spagat. Der oftmalige Wechsel in der Denkweise, von der einen zur anderen Realität, hat oft viel Kraft gekostet, hat aber auch etwas gebracht. Ich konnte in die Gemeindeverwaltung ein bisschen mehr unternehmerisches Denken einbringen und im Betrieb die Sichtweise unserer Kunden, die ja mehrheitlich öffentliche Verwaltungen sind. Ich finde, dass die Gemeindepolitik, aber auch generell die Politik und öffentliche Verwaltung, durchaus mehr unternehmerisches Denken vertragen.<BR /><BR /><b>Wenn Sie auf Ihre 10-jährige Amtszeit zurückblicken, was bleibt Ihnen als besonders herausforderndes Kapitel im Gedächtnis?</b><BR />Gartner: Da fällt mir spontan die Pandemiezeit ein, wo es gerade in Gais einige Ereignisse gab, die landesweit für Gesprächsstoff sorgten und für mich auch menschlich sehr fordernd waren. Und dann natürlich das ganze Thema der Schottergrube. Hier wurde die Gemeinde zu Unrecht in die Polemik hineingezogen, weil die ganze Thematik nicht im Kompetenzbereich der Gemeinde lag. Und es wurde natürlich von einer bestimmten Strömung genutzt, um Stimmung gegen den SVP-Bürgermeister zu machen.<BR /><BR /><b>Inzwischen ist es ja wieder ruhig geworden und heuer gehen SVP und Bürgerliste sogar gemeinsam, wenngleich mit eigenen Bürgermeisterkandidaten, mit einer Liste in die Wahl.</b><BR />Gartner: Stimmt. Vor 5 Jahren war der Riss in der Bevölkerung groß. Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass es gelungen ist, aus ehemaligen Kontrahenten Partner zu machen, auch wenn ich nicht verschweigen will, dass einige Narben bleiben. Ich hoffe, dass es ein Lernprozess war, der zeigt, dass nur gemeinsam zum Wohle der Bevölkerung gearbeitet werden kann und, mit Populismus Keile zu treiben, letztendlich nicht zum Erfolg führt.<BR /><BR /><b>Was bleibt für die neue Verwaltung zu tun?</b><BR />Gartner: Wir konnten in den vergangenen Jahren viel voranbringen und abschließen. Wir haben viel gebaut. Vorhaben wie etwa das Vereinshaus samt Feuerwehrhalle in Uttenheim, Investitionen in das Straßennetz von Gais oder in die Fahrradmobilität im gesamten Gemeindegebiet sind allerdings geblieben. In einer Gemeinde gibt es immer etwas zu tun.<BR /><BR /><b>Sie freuen sich also auf ruhigere Zeiten nach der Wahl?</b><BR />Gartner: Ich habe bereits angekündigt, dass ich mich immer dort, wo man glaubt, mich brauchen zu können, weiterhin mit meinem Netzwerk für die Gemeinde einbringen werde, z. B. wenn es darum geht, die Verbindungen zu den Partnergemeinden zu pflegen, die mir immer am Herzen lagen. Noch brauche ich zudem viel Kraft für unseren Familienbetrieb, und dann gibt es durchaus noch Sachen, die mich ganz privat interessieren; meine Reisen nach Grönland, mein Engagement als Präsident des „Festival Dolomites“, als Mitglied im Kiwanis Club Bruneck oder als Präsident der Kreditgarantiegenossenschaft Confidi. Es wird also sicher nicht langweilig.