Wohin soll die Reise unserer Südtirol-Autonomie gehen? Diese Frage war Gegenstand einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion, die der „Partito Democratico“ (PD) am Freitagabend in Brixen veranstaltet hat. Dabei zeigte sich, dass bei aller Härte der politischen Debatte der Humor nicht zu kurz kam; aufschlussreiches Indiz dafür, dass die Mehrheitsparteien PD und SVP im Ernstfall an einem Strang ziehen.Schal als Symbol?So hatte Senator Karl Zeller dem Staatssekretär Gianclaudio Bressa zu dessen 59. Geburtstag einen Schal als Geschenk mitgebracht. Damit könne man jemanden auf seine Seite ziehen, ein Schal könne aber auch zum Strangulieren dienen, scherzte Moderator Alberto Faustini, der Chefredakteur des „Alto Adige“, und sorgte damit für heiteres Gelächter im Publikum.Faustini erkundigte sich zudem bei Landeshauptmann Arno Kompatscher danach, wann er zuletzt in SMS-Kontakt mit Premierminister Matteo Renzi gestanden sei. „Das war am Jahreswechsel, also vor mehr als zwei Wochen, als wir uns Neujahrswünsche ausgetauscht haben“, antwortete Kompatscher. Er hatte zuvor angemerkt, dass „aus Rom ein zentralistischer Wind“ wehe.Ausbau der AutonomieInhaltlich ging es vor allem um die Frage, wie Südtirol beim gewünschten Ausbau der Autonomie vorgehen solle. Während Bressa mit lauter Stimme darauf beharrte, dass die fünf Regionen mit Sonderstatut in erster Linie gemeinsam politische Ziele erreichen könnten, unterstrich Zeller, dass vor allem Sizilien und Sardinien meist konträre Vorstellungen hätten.Alle waren sich einig, dass die Verfassungsreform 2001 ein Fehler gewesen sei. Was den Ausbau der Autonomie anbelangt, so sprach Kompatscher in Anlehnung an Habermas von einem „Autonomie-Patriotismus“, den er sich für den anstehenden Autonomie-Konvent wünsche.Bressa regte an, dabei auch über den Sprachgruppen-Proporz zu diskutieren. Kompatscher stimmte zu, sagte aber, bislang habe er keinen besseren Vorschlag als den Proporz gehört, der zudem heutzutage „dynamisch“ angewandt werde. Kompatscher betonte, dass die Autonomie heute immer auch in einem europäischen Kontext gesehen werden müsse.lub