Mittwoch, 16. Oktober 2019

Diese schreckliche Umarmung am Meeresgrund

In einem Schiffswrack vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa hat ein Unterwasserroboter in einer Tiefe von 60 Metern zwölf Leichen entdeckt, darunter eine Mutter, die ihr Baby umarmt.

Schreckliche Bilder boten sich den Rettungskräften in 60 Metern Tiefe.
Schreckliche Bilder boten sich den Rettungskräften in 60 Metern Tiefe. - Foto: © Guardia Costiera

Dazu schreibt die Turiner Zeitung „La Stampa“ am Mittwoch:

„Es ist ein Foto, das wir nicht zeigen. Die Mutter und der Säugling, die sich umarmen, die x-te Pietà dieser Jahre der unendlichen Tode im Wasser. Ein Foto, das uns erschüttert, das uns Scham empfinden lässt, das uns einen Augenblick aufweckt und an unsere Verantwortung erinnert. Schade, es wäre perfekt gewesen. Eine Mutter und ein Neugeborenes, was gibt es Ungefährlicheres? (...) Aber dieses Foto werden wir nicht sehen, denn diese Mutter und dieser Säugling sind auf dem Grund des Meeres, im Finstern, in der Tiefe. Angefressen von den Fischen, umwickelt von Algen, angeschwollen, entsetzlich. (...) Wir müssen etwas tun, damit dieses Massaker endet.“


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Suche nach Leichen geht weiter

Auch am Mittwoch wird nach weiteren Opfern des Schiffsunglücks vor der italienischen Insel vor einer Woche gesucht. Tauchereinheiten der italienischen Küstenwache vermuten, dass sich weitere Leichen unweit des Wracks befinden, berichtete der ermittelnde Staatsanwalt Salvatore Vella laut Medienangaben vom Mittwoch.



Mindestens drei Tage lang werden die Taucher im Einsatz sein müssen, um die Leichen zu bergen. „Wir haben nie aufgegeben und weiterhin unermüdlich nach den Vermissten gesucht. Unsere Tauchereinheiten haben all ihre Kompetenz und ihr Herz bei der Suche eingesetzt“, berichtete Vella. „Keiner der Migranten hatte eine Schwimmweste an, die ihnen das Leben hätte retten können“, sagte Vella.

Beim Flüchtlingsdrama vor Lampedusa am 7. Oktober waren mindestens 13 Frauen ums Leben gekommen. Das Flüchtlingsboot mit etwa 50 Personen an Bord war in der Nacht vor der Insel gekentert. 22 Überlebenden wurden gerettet und aufs Festland gebracht. Nach etwa 20 Personen wurde noch gesucht. Für die 13 verstorbenen Frauen hatte in der vergangenen Woche eine Trauerzeremonie auf Lampedusa stattgefunden.

Unterdessen haben Italien und Malta am Dienstag mehr als 250 Migranten im Mittelmeer gerettet. Ein Schiff mit rund 180 Menschen sei in maltesischen Gewässern in Schwierigkeiten geraten, teilte die italienische Küstenwache mit. Die Migranten seien aufgenommen worden, man warte nun auf eine Einfahrterlaubnis in einen Hafen auf Malta. Die maltesische Armee nahm 76 Menschen auf. Sie sollten nun auf den Inselstaat gebracht werden, teilten die Streitkräfte mit.

Am Mittwoch ist in der süditalienischen Stadt Taranto außerdem das private Rettungsschiff „Ocean Viking“ mit 176 Migranten an Bord eingetroffen. Das italienische Innenministerium hatte der Crew am Montagabend die Genehmigung zur Landung in Tarent erteilt. Die „Ocean Viking“ wird neben SOS Mediterranee auch von Ärzte ohne Grenzen betrieben.

dpa/vs