Meinhard Schneider, Gemeindereferent und Koordinator für Perchas Einheitsliste, wirkt einigermaßen enttäuscht. „Wir suchen schon seit Monaten Kandidatinnen für die Wahlen“, erklärt er. Viele Frauen im Gemeindegebiet seien angesprochen worden. Zumeist aber erfolglos.<BR /><BR />Neben den 2 Frauen, die bereits jetzt im Rat sitzen, Katharina Niederwolfsgruber und Hildegard Laner, habe man mit Barbara Unterhofer lediglich eine weitere Kandidatin gewinnen können. Viel zu wenig, um in Percha überhaupt eine Wahl abhalten zu können. Der Perchiner Gemeinderat besteht nämlich aus 15 Mitgliedern. Mindestens so viele müssten also auf der Liste aufscheinen. Es braucht wenigstens 5 Kandidatinnen, damit eine Wahl zumindest theoretisch möglich wird. Weil dann aber alle automatisch gewählt wären, kann man von einer echten Wahl aber nicht sprechen.<h3> Wahlen 2020: Bei 17 Kandidaten nur 2 Frauen</h3>Bei den Gemeinderatswahlen 2020 gab es auf der Perchiner Einheitsliste, die damals erstmals gemeinsam von der Bürgerliste und der Südtiroler Volkspartei (SVP) gebildet wurde, lediglich 17 Kandidaten. 2 davon waren Frauen – und beide wurden prompt in den Rat gewählt.<BR /><BR />Ein zweites Mal sollte die Auswahl für die Wählerinnen und Wähler nicht so klein sein, nahm sich die Koordinierungsgruppe rund um Meinhard Schneider vor, weshalb bereits früh mit der Suche nach Kandidaten und vor allem Kandidatinnen begonnen wurde. Einstweilen sei die Liste nur schwach besetzt. „Wir haben bis jetzt 6 Kandidaten und 3 Kandidatinnen“, meint er.<h3> 696 Einladungen persönlich zugestellt</h3>Probleme, die nötige Zahl an Kandidaten zusammenzukriegen, sieht er vor allem bei den Frauen. „Daher haben wir letzthin alle Frauen ab 18 Jahren zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.“ Insgesamt haben wir 696 Einladungen an die Frauen im Dorf persönlich verteilt – und auch auf mehreren Online-Plattformen über das Treffen im KiBiZ, dem Kirchenbildungszentrum, informiert.<BR /><BR />Die Teilnahme der Frauen an dem Treffen, das die 2 Landtagsabgeordneten Magdalena Amhof (SVP) und Brigitte Foppa (Grüne) gemeinsam geleitet haben, war einigermaßen ernüchternd. Nur knapp ein Dutzend Frauen kam. Außer den 3 Kandidatinnen ließ keine von ihnen in der Versammlung zu einer Kandidatur bewegen, obwohl Foppa und Amhof vor Begeisterung sprühten und versuchten, Lust auf die Gemeindepolitik zu machen. „Politik ist eine sehr lehrreiche Erfahrung“, sagte Foppa. Und Amhof meinte, man wachse an der Arbeit und erwerbe sich jede Menge fachliche Kompetenz. Die Schüchternheit, die von vielen Frauen immer wieder angeführt werde, lege man relativ schnell ab, erklärte Amhof, die von eigenen Erfahrungen berichten konnte.<h3> Beruf, Familie und Politik vereinbaren</h3>Das große Problem für Frauen sei, Beruf, Familie und auch die politische Arbeit unter einen Hut zu bringen, meinte eine Anwesende. „Das schreckt viele Frauen vor einer Kandidatur ab.“ Außerdem habe die Politik insgesamt einen schlechten Ruf – und man höre immer, dass da sowieso nur einige wenige entscheiden würden.<BR /><BR />Auch Bürgermeister Martin Schneider warb für mehr Kandidatinnen und Kandidaten. „Percha steht eine besondere Zeit bevor“, sagte er. Denn nach der Fertigstellung der Umfahrung könne man vieles gestalten und Percha zu einem noch lebenswerten Dorf machen.<BR /><BR />Wird in Percha (und anderswo) nicht die nötige Anzahl an Kandidatinnen gefunden, wird es in der Gemeinde keine Wahlen geben. Das Gesetz sieht in einem solchen Fall die kommissarische Verwaltung vor. Soweit will Meinhard Schneider aber noch nicht denken. „Wir werden weiterhin alles tun, um genügend Kandidatinnen und Kandidaten zu finden“, sagt er. Und lädt auch alle Frauen und Männer ein, die sich eine Kandidatur vorstellen können, sich an ihn zu wenden.