Dienstag, 04. Januar 2022

Diskussion über Rückkehr zur Atomenergie in Italien dauert an

Die Pläne der EU-Kommission, Gas und Atomkraft unter Auflagen als klimafreundlich einzustufen, haben in Italien für Diskussionen gesorgt.

Die EU streitet über die Zukunft der Atomenergie.
Die EU streitet über die Zukunft der Atomenergie. - Foto: © Conference on the Future of Euro / Conference on the Future of Euro
Während die rechte Regierungspartei Lega, die sich schon seit Monaten für die Rückkehr des Landes zur Atomenergie einsetzt, den Taxonomie-Entwurf der Brüsseler Behörde begrüßte, kam scharfe Kritik seitens der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, der stärksten Einzelpartei im Parlament. Sie lobte den österreichischen Kurs.

„Es ist positiv, dass Europa Gas- und Kernenergie zu den sauberen Energien zählen will. Dies ist die einzige Möglichkeit, auch für Italien, die Emissionen aus der Kohle zu begrenzen und für günstigere Stromrechnungen für Familien und Unternehmen zu sorgen. Diejenigen, die das Gegenteil behaupten, wie einige aus dem Linkslager, schaden der Umwelt und den Arbeitsplätzen“, erklärte Lega-Chef Matteo Salvini in einer Pressemitteilung am Dienstag. Seine Partei sei zur Unterschriftensammlung für ein Referendum bereit, damit Italien wieder zur Produktion von Atomenergie zurückkehre, betonte Salvini kürzlich.

Die Fünf-Sterne-Bewegung begrüßte hingegen Österreichs Position in Sachen Atomkraft. „Während Länder wie Österreich Brüssel wegen der Aufnahme der Atomkraft in die EU-Taxonomie zu verklagen drohen, will uns Salvini zu Propagandazwecken in das letzte Jahrhundert zurückversetzen. Atomkraft und Erdgas als grüne Energiequellen zu bezeichnen, ist ein Witz, und der Aufschrei, der aus vielen Teilen Europas immer lauter wird, ist unmissverständlich“, heißt es in einer Presseaussendung der Fünf Sterne. Selbst Deutschland sei gegen ein „solch surreales Szenario“.

In Italien ist eine heftige Diskussion über die steigenden Strompreise entbrannt. Die Lega fordert von der Regierung Draghi Maßnahmen zur Senkung der Strom- und Gasrechnungen für Familien und Unternehmen. Italien ist beim Strombedarf stark vom Ausland abhängig.

Die Italiener hatten sich 1987 – ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl – in einem Referendum für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. 2009 hatte der damalige Regierungschef Silvio Berlusconi angekündigt, wieder in die Kernkraft investieren zu wollen, legte sein Vorhaben nach dem Gau von Fukushima aber auf Eis. 2011 sprachen sich rund 94,5 Prozent der Italiener in einem weiteren Referendum gegen neue Meiler aus.

Auch wenn es in Italien keine Atomkraftwerke gibt, liegen zahlreiche davon in unmittelbarer Nähe von Südtirol. Ob diese Atomkraftwerke eine stille Gefahr für unser Land darstellen, lesen Sie hier.

apa/pho