Freitag, 16. August 2019

DNA: Landesweite Aktion des Schützenbundes

Am 16. August 1865 wurde Ettore Tolomei geboren. 154 Jahre später, am Freitag pünktlich um 6.30 Uhr, startete der Südtiroler Schützenbund eine landesweite, 12-stündige Aktion unter dem Titel „DNA, Deutsch nicht amtlich seit 97 Jahren“.

Der Startschuss fiel an der deutschen Sprachgrenze in Salurn. - Foto: Südtiroler Schützenbund
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Der Startschuss fiel an der deutschen Sprachgrenze in Salurn. - Foto: Südtiroler Schützenbund

Der Startschuss für die aufsehenerregende Protestaktion fiel am Freitag früh an der deutschen Sprachgrenze in Salurn. An insgesamt rund 600 Ortseingangstafeln im ganzen Land überklebte der Südtiroler Schützenbund die deutschen historisch gewachsenen Ortsnamen mit dem Spruch „DNA seit 97J“ (deutsch nicht amtlich seit 97 Jahren).

„Mit der Machtergreifung der Faschisten begann in Südtirol eine gewaltsame Assimilierungspolitik, die die vollständige Italianisierung der deutschsprachigen Bevölkerung als erklärtes Ziel hatte. Ein erster Schritt war die Übersetzung und amtliche Einführung von etwa 8000 Orts- und Flurnamen auf Basis des von dem italienischen Nationalisten Ettore Tolomei erstellten ‚Prontuario dei nomi locali dell‘Alto Adige‘ und das Verbot der Verwendung der deutschen Namen. Dieses Gesetz gilt bis heute. Somit haben unsere deutschen Namen keine Gültigkeit. Die heute gültigen italienischen oder pseudofaschistischen Namen wurden bereits vor dem Ersten Weltkrieg geschaffen, mit dem Ziel die Sprach- und Siedlungsgeschichte Südtirols zu manipulieren und diesen Zweck erfüllen sie bis heute“, so der Schützenbund in einer Aussendung.

„Seit 97 Jahren ist das Toponomastik-Problem ungelöst. Man befindet sich auf einer Schaukel. Man ist zwar in Bewegung, kommt aber keinen Schritt weiter. Mit dieser Aktion möchte der Südtiroler Schützenbund die Bevölkerung auf das Unrecht, das 1922 begann und bis heute andauert, aufmerksam machen“, so Jürgen Wirth Anderlan, der Landeskommandant des Südtiroler Schützenbund.“

Urzì: „Bringe Aktion zur Anzeige“

Regionalassessor Alessandro Urzì hat indes angekündigt, die Aktion anzuzeigen: „Es handelt sich hierbei um Beschädigung öffentlichen Eigentums. Wenn die Aktion angesichts der fragilen Situation in Südtirol nicht so gefährlich wäre, wäre sie einfach nur lächerlich“, erklärt Urzì in einer Aussendung.

Der Umstand, dass Deutsch nach wie vor keine offizielle Amtssprache sei, sei unter anderem gerade den Schützen zu verdanken, die sich gemeinsam mit der Landespolitik seit Jahrzehnten weigern würden, die deutschen und italienischen Ortsbezeichnungen gleichzustellen.

„Zweisprachigkeit hat nichts mit der Forderung zu tun, nur noch die deutschen Bezeichnungen zu verwenden und die italienischen zu ignorieren, ebenso wenig funktioniert es umgekehrt. Und: Wenn eine paramilitärische Vereinigung wie die Schützen hunderte Personen für eine Nacht-und-Nebel-Aktion mobilisiert, um die Verkehrsordnung zu sabotieren, so ist das ein schwerer Schaden an der Verkehrssicherheit, womit sie sich außerhalb des Gesetzes befinden.“

stol

stol