„Wir dürfen nicht alle in einen Topf werfen: Zum einen gibt es Wirtschaftsflüchtlinge aus dem nordafrikanischen Raum und zum anderen Flüchtlinge aus Lybien und anderen Staaten, in denen Krieg herrscht. Erstere haben kein Recht, ein Asyl zu erhalten und damit in der EU zu bleiben. Sie müssen daher wieder in ihr Herkunftsland zurückgebracht werden, wenn sie keine gültige Aufenthaltsgenehmigung haben. Letztere hingegen haben im Sinne der Genfer Konvention Recht auf Prüfung eines Asylantrags und müssen daher im Land, in das sie eingereist sind - also in Italien - bleiben, bis dieser Asylantrag bearbeitet ist. Von dieser Rechtslage darf man sich nicht verabschieden, wenn man nicht einen nicht sanierbaren Präzedenzfall schaffen will“, so Herbert Dorfmann.Keine unerfüllbaren Erwartungshaltungen schaffen Das Dilemma, das sich letzthin an der italienischen Küste abspiele, zeige, dass die Europäische Union dringend eine gemeinsame Einwanderungspolitik brauche. Es könne nicht sein, dass jeder Staat selbst für die Einwanderung zuständig sei, es gleichzeitig aber ein Recht auf freien Personenverkehr und einen freien Arbeitsmarkt in der EU gebe. „Der Vorschlag Italiens, die eingereisten Tunesier einfach mit einer provisorischen Aufenthaltsgenehmigung auszustatten und damit frei in Europa zirkulieren zu lassen, ist nicht akzeptabel und es ist verständlich, dass sich die wirtschaftlich wohlhabenden Staaten, in denen ein Großteil der Eingereisten letztlich dann wohl landen würden, dagegen wehren“, unterstreicht Dorfmann. Man schaffe damit Erwartungshaltungen in Nordafrika, die den Migrationsfluss nur weiter verstärken würden."EU muss mit Italien in dieser Frage zusammenarbeiten" „Innenminister Roberto Maroni hat daher Recht, wenn er fordert, dass Italien mit diesem Problem nicht allein gelassen werden darf. Die Solidarität kann aber nicht darin bestehen, unkontrolliert illegal eingewanderte Wirtschaftsflüchtlinge in ganz Europa zu legalisieren. Vielmehr muss es darum gehen, gemeinsam mit Italien die anfallenden Asylanträge schnell zu behandeln, die Menschen, die Recht darauf haben, menschenwürdig unterzubringen und gemeinsam nach Maßnahmen zu suchen, die dem Drama im Mittelmeer ein Ende setzen“, so Dorfmann abschließend.