Mario Draghi hat das Amt des Ministerpräsidenten nicht übernommen, um sein Ego zu stärken oder weil er karrieregeil ist. Das hat der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank nicht notwendig. Er war auf der Karriereleiter ganz oben und ist trotzdem in den politischen Ring gestiegen, weil er seinem Land dienen wollte; aus Liebe zu seiner Heimat – für viele Italiener der Retter des Vaterlandes. <BR /><BR />Nur mit Mario Draghi war es möglich, dass das Land die europäischen Wiederaufbaupläne erhalten hat. Sein guter Ruf hat Italien wieder kreditwürdig gemacht. Und Draghi ist es in seinen 7 Monaten Amtszeit gelungen, Italien wieder flottzuma- chen. Die Italiener waren auf dem besten Weg, als drittgrößte Wirtschaftskraft in Europa (nach Deutschland und Frankreich) wieder Fahrt aufzunehmen und Erfolge einzufahren.<BR /><BR /> Und was passiert jetzt?<BR /><BR /> Ein Teil der 5-Sterne-Bewegung unter der Führung von Giuseppe Conte entzieht der Regierung Draghi das Vertrauen und stürzt das Land in eine der schwersten politischen Krisen der Nachkriegszeit.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55198604_quote" /><BR /><BR /> Es herrscht Krieg vor der Haustür. Täglich wachsen die dadurch entstehenden Probleme. Die Russen setzen ganz Europa unter Druck. Das Gas wird knapp. Die Kosten für Strom, Benzin und Gas steigen enorm. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten belasten die Brieftaschen der Bürger. Die Covid-19-Pandemie ist immer noch nicht besiegt. Die Dürre bringt zusätzliche Probleme. <BR /><BR />Und was macht Conte und sein Teil der 5-Sterne-Bewegung? Er entzieht Draghi das Vertrauen.<BR /><BR /> So etwas nennt man Selbstzerstörung. Wenn Conte damit vorgezogene Neuwahlen erreichen will, wird es noch heuer das übliche politische Chaos nach Wahlen geben, das es sonst erst nach den geplanten Parlamentswahlen im Frühjahr 2023 geben würde. Noch stärkere Fraktionierung der politischen Kräfte mit unendlich langen Koalitionsverhandlungen und folglich Führungslosigkeit des Landes für Monate. <BR /><BR /><embed id="dtext86-55198606_quote" /><BR /><BR />Aber genau das können wir jetzt nicht brauchen; weder die Italiener noch die Europäer. Europa muss mit seinen Verbündeten geschlossen und gezielt vorgehen, damit Putin und seine Mörderbande nicht leichtes Spiel haben. Jetzt braucht es Draghi auch auf der internationalen Bühne, damit Europa geeint gegen den russischen Aggressor auftritt. <BR /><BR />Der Einfluss von Draghi auf die europäische und internationale Politik ist wichtig, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Putin frohlockt in Moskau; Conte könnte ihm einen der gewieftesten Gegner abgeschossen haben.<BR /><BR /> Conte schadet mit seiner Aktion also nicht nur Italien. Conte schadet mit dieser Aktion Europa. Conte schadet damit dem Weltfrieden.<BR /><BR />Aber noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Es ist ein großer Segen, dass Sergio Mattarella im Amt geblieben ist. Der Staatspräsident hat sehr klug den Rücktritt von Draghi abgelehnt und hat auf eine erneute Debatte im Parlament verwiesen. Damit besteht die Chance, dass bis zum Mittwoch die Wogen geglättet werden können. <BR /><BR />Ob Einsicht bei Conte und seinen Leuten einkehren wird, kann niemand sagen. Die Hoffnung sollte aber nicht aufgegeben werden, dass auch bei der 5-Sterne-Bewegung die Vernunft siegt. <BR /><BR />Sollte es nicht gelingen, ist der angerichtete Schaden enorm. Dann bleibt nur zu hoffen, dass die Italiener bei den Parlamentswahlen Conte und seinen Unterstützern und seinen Unterstützerinnen die Rechnung präsentieren.