Donnerstag, 25. März 2021

Draghi verärgert: Senioren bei Impfkampagne vernachlässigt

In Italien tobt eine Debatte wegen der schleppenden Impfkampagne. Wegen Engpässen bei den Lieferungen von AstraZeneca und Ineffizienz einiger regionalen Plattformen zur Anmeldung ist es in den letzten Tagen verstärkt zu Problemen bei der Immunisierung der Bevölkerung gekommen. Premier Mario Draghi bemängelte, dass in einigen Regionen die Impfung von Senioren nur schleppend vorankommt.

Die Impfquoten der über 80-Jährigen in Italien bereiten Premier Mario Draghi Sorge.
Die Impfquoten der über 80-Jährigen in Italien bereiten Premier Mario Draghi Sorge. - Foto: © ANSA / ANGELO CARCONI
Berufsgruppen wie das Gesundheitspersonal, Lehrer und Sicherheitskräfte wurden bevorzugt.

Die Unterschiede zwischen den Regionen bei der Verabreichung von Dosen „sind schwer zu akzeptieren“, denn die Regionen müssten die Prioritäten des nationalen Impfplans befolgen, sagte Draghi vor dem Parlament in Rom am Mittwoch.

Während einige Regionen die Bestimmungen des Gesundheitsministeriums befolgen, würden andere mit der Impfung der älteren Bevölkerung nur langsam vorankommen. Dies sei unannehmbar. „Wir müssen gemeinsam den Ausstieg aus der Pandemie schaffen, so wie wir in den vergangenen Monaten gemeinsam darunter gelitten haben“, sagte Draghi.

In Südtirol haben 79 Prozent der Ü-80-Jährigen die Erstimpfung erhalten

Ins Visier Draghis ist unter anderem die Toskana geraten. Hier wurden bisher lediglich 23 Prozent der Senioren über 80 Jahre immunisiert.

Lediglich 6,1 Prozent der Berechtigten haben bisher die zweite Dosis erhalten. Auch auf gesamtstaatlicher Ebene sind die Zahlen nicht ermutigend. Es wurden lediglich 38,9 Prozent der Menschen über 80 geimpft, europaweit sind es 54,4 Prozent.

In Südtirol gibt es laut aktuellen Zahlen von Gesundheitslandesrat Thomas Widmann 29.367 Personen über 80. Davon haben bis Dienstag 79 Prozent, also 23.190 Personen die Erstimpfung erhalten, 15.044 auch schon die zweite Impfdose.

Kompliziert ist vor allem die Lage in der Lombardei, der am stärksten von der Pandemie betroffenen Region. Probleme mit dem Informatik-System haben zuletzt vielen Bürgern Unannehmlichkeiten verursacht. In den nächsten Tagen soll die Post die Verantwortung für das Anmeldesystem in der Region übernehmen. „Verzögerungen bei der Impfkampagne können nicht mehr geduldet werden“, betonte Lega-Chef Matteo Salvini.

Die schleppende Impfkampagne ärgert Premier Draghi, der sich die Immunisierung von 80 Prozent der italienischen Bevölkerung bis Ende September zum Ziel gesetzt hat.

Vor dem Parlament versprach der parteilose Ministerpräsident, dass ab der dritten April-Woche die Zahl der Impfungen pro Tag von den heute 170.000 auf 500.000 erhöht werden sollen.

apa/stol